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Im Kino: „Forgetting Dad“

Forgetting_DadEs war kein schwerer Autounfall, aber einer mit Folgen. Eine davon ist dieser Dokumentarfilm, in dem Rick Minnich, gemeinsam mit Ko-Regisseur Matt Sweetwood, dem vorgeblich unfallbedingten Gedächtnisverlust seines Vaters Richard nachspürt: den Auswirkungen auf die zahlreichen Mitglieder der beiden Familien, die dieser gründete, und den möglichen Motiven, die der Fünfundvierzigjährige dafür gehabt haben könnte, alles für immer vergessen zu wollen. Von der psychiatrischen Diagnose über die Verweigerung familienväterlicher Verantwortung bis hin zur Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit einem Bankenskandal bietet „Forgetting Dad“ eine Menge Erklärungen für das sonderbare Verhalten des Mannes. Das ist sogar trotz der permanenten lauten Musikuntermalung ausgesprochen faszinierend. Und es lässt einen auch nie vergessen, dass nirgendwo Lebensunglück so gründlich verdrängt wird wie in einer Familie, dass in Familien lebenslang wirksame Traumata geboren und genährt werden, deren Aufarbeitung wiederum an der Familie scheitert. Auch Rick findet seinen Vater nicht wieder. Was bleibt, ist enttäuschte Liebe und das Gefühl feigen Verrats.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Forgetting Dad“ im Kino in Berlin

Forgetting Dad Deutschland 2008, Regie: Rick Minnich, Matt Sweetwood; Farbe, 84 Minuten

Kinostart: 27. Mai

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