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Im Kino: „Fünf Minarette in New York“

Fünf Minarette in New YorkEine Autobombe detoniert irgendwo in einem Wohnviertel in der Türkei. Zugeschrieben wird die Tat zu Beginn von „Fünf Minarette in New York“ einem Islamisten, der in New York untergetaucht sein soll. Dort wollen zwei türkische Cops den Verdächtigen verhaften, der in Manhattan ein offenbar ruhiges Leben als Supermarktinhaber führt. Der dritte Regiefilm von Schauspieler Mahsun Kirmizigül sieht anfangs aus wie ein Politthriller, mit kontrastvoll montierten Bildern von Manhattans quirligem Geschäftsleben hier, und rhythmisch wogenden Körpern Betender in einer Moschee dort. Nach einem actiongeladenen Start mit einer Festnahme und einer blutigen Befreiungsaktion verliert sich der Film aber in Behauptungen. Warum das FBI den anscheinend braven Händler so felsenfest für den Anschlagsplaner hält, wird nicht tiefer erörtert; ebenso wenig aus der Handlung erklärt es sich, warum einer der türkischen Ermittler die Unschuld des Mannes vermutet. Wer von den Akteuren glaubwürdig ist und wer nicht, das überlässt der Film schlicht den Sympathiepunkten für die Figuren, die ungeheuer Schwarzweiß gezeichnet sind – vom terminatorhaften FBI-Chef mit kaltem Blick bis zum herzlichen Kaufmann und Familienmensch mit gandhihaften Gesichtszügen. Diese starken Kontraste sind ein Charakteristikum des türkischen Mainstreamkinos, das hier einmal mehr die Modernisierung des Landes mit einem friedfertigen Ideal-Islam zu versöhnen versucht und vor allem auf dieser Ebene Interesse verdient.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Fünf Minarette in New York“ im Kino in Berlin

Fünf Minarette in New York (Five Minarets in New York), Türkei/USA 2010; Regie: Mahsun Kirmizigül; Darsteller: Danny Glover (Marcus), Gina Gershon (Maria), Robert Patrick (Becker)

Kinostart: 4.November

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