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Im Kino: „Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte“

Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte

In Frankreich hat der Name soviel Gewicht in der Pop-Geschichte, dass er als Titel für einen Film völlig ausreicht: „Gainsbourg“. Damit ist alles gesagt über Genie und Ausschweifung, über musikalische Veränderung zwischen 1950 und 1980, über Stars, Hits und glamouröse Skandale, bei denen in irgendeinem Zusammenhang immer das Wort „pornografisch“ vorkommt. In Deutschland allerdings fällt beim Namen Serge Gainsbourg nicht ganz so viel Begleitwissen an.
Das wird sich jetzt ändern. Joann Sfar, französischer Comiczeichner, hat sich der Geschichte von Serge Gainsbourg angenommen und sie verfilmt. Ein Comiczeichner als Biograph, das ist vernünftig. Wenn ein Comiczeichner die Realität in einen Film fassen soll, wird er sie grotesk verzerren, und in der Karikatur ist ein Leben nicht nur leichter verständlich, es ist auch amüsanter.
Die richtige Reihenfolge der Ereignisse immerhin muss eingehalten werden: Serge Gainsbourg, ursprünglich Lucien Ginsburg und Sohn russisch-jüdischer Immigranten, erobert das Paris der 1930er Jahre schon als Kind. Er spielt Klavier, er malt, er erfindet sich unsichtbare Begleiter, die ihn ohne Zögern in jede Dummheit hineinschicken. Auch das Interesse an den Frauen erwacht noch vor der Adoleszenz. Es ist der Gedanke an die weibliche Verheißung, der Gainsbourg durch die deutsche Besetzung bringt, durch die Flucht aufs Land, bis er zurückkehren kann nach Paris um diesen Gedanken in zahlreiche spektakuläre Affären umzusetzen.
Nachdem Gainsbourg seine Malerei an den Nagel hängt und sich der Musik widmet, verfolgt der Film seine Wege zum Ruhm. Am schönsten daran ist die Erforschung des Nachtlebens, in dem Gainsbourg sich selbst, die Musik, seine Frauen, das Image der Sechzigerjahre neu erfindet. Zwar sind der Ruhm und der Ruin, die Exzesse, die Gainsbourg so großzügig auskostet, im Pop-Star-Business nichts Besonderes. Hier aber hat alles ein sehr nachlässiges französisches Flair, und je weiter die Ereignisse ins Surreale abdriften, um so wirklicher sieht man darin den Künstler Serge Gainsbourg.

Text: Doris Kuhn

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte“ im Kino in Berlin

Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte (Gainsbourg, vie hйroпque), Frankreich 2009; Regie: Joann Sfar; Darsteller: Eric Elmosnino (Serge Gainsbourg), Lucy Gordon  (Jane Birkin), Laetitia Casta (Brigitte Bardot); 121 Minuten

Kinostart: 14. Oktober

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