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Im Kino: „Ganz nah bei dir“

Es gibt ein Lied von Klaus Hoffmann mit dem Titel „Blinde Katharina„, darin heißt es: „Katharina mach mir Mut und halte mich / gibt’s morgen auch kein Wiedersehen / ich bin doch der Blinde darum führe mich / du kannst im Dunkeln gehn / Nur weil ich vermute, dass ich sehend bin / brauch ich doch nichts erkennen / Komm wir schmeißen einfach alle Regeln hin / du zeigst mir, wie man sieht.“
Ganz nah bei dir“ behandelt exakt dieses Thema, leider auch in exakt diesem, schlimm liederma­cherpathetischem Geist: Blinde zeigt Sehendem, wie man sieht. Dass Katharina Schüttler als lebenslustige blinde Cellistin Lina und Bastian Trost als eigenbrötlerischer Schildkrötenbesitzer und Falschgeldprüfer Phillip ihre Sache in diesem verlogen vor sich hin menschelnden Erweckungsfilm eigentlich ganz gut machen, hilft überhaupt nichts. Es bleibt ein Eindruck von übertrieben eingesetzten Symbolen (Schildkröte = Panzer) und Klischees (Kleinkunstbühne = Traum). Am Ende bricht Phillip dann endlich aus seinem Panzer aus, um mit der frisch-fröhlichen Lina Hand in Hand durch die Straßen zu laufen. Dazu spielt im Hintergrund eine Musik, die auch jedem Blinden im Publikum mit dem Holzhammer klarmacht, welche Stimmung er gerade zu empfinden hat.

Text: Jenni Zylka

tip-Bewertung: Uninteressant

Ganz nah bei dir, Deutschland 2008; Regie: Almut Getto; Darsteller: Bastian Trost (Phillip), Katharina Schüttler (Lina), Andreas Patton (Aaron); Farbe, 91 Minuten

Kinostart: 12. November

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