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Im Kino: „Gegenwart“ von Thomas Heise

Gegenwart_02_c_BlinkerFilmproduktionDie Verbrennung von Leichen ist ein schwieriges Geschäft. Das wird in Thomas Heises Dokumentarfilm „Gegenwart“ deutlich, der einerseits eine Studie in Effizienz ist, andererseits eine Untersuchung über die Reste, die der Tod lässt: Assoziationen und Asche, aber auch ein Ausfluss aus den Särgen, dem man keineswegs mit zu viel Scheuermittel beikommen soll. Heise hat im Rhein-Taunus-Krematorium in Dachsenhausen gedreht. Er hat sich dabei so diskret wie möglich verhalten; alles, was nach einer Story aussehen könnte, ist aus „Gegenwart“ verbannt. Zu sehen und zu hören sind Abläufe, Räume, Bildschirme, Leute. Geredet wird kaum. Dadurch bleibt einerseits Zeit für Fragen, die man sich selber stellen mag: Wie entstehen eigentlich solche Betriebe? Warum verlaufen Rohre so und nicht anders? Helfen Handschuhe gegen Leichengeruch? Doch irgendwann erschöpft sich der dokumentarische Lakonismus in „Gegenwart“, und trotz der kurzen 65 Minuten verfestigt sich der Eindruck, dass Thomas Heise hier zwischen Vergänglichkeitsmeditation und Bildungsfernsehen nicht ganz die Ebene gefunden hat, die es ihm erlaubt hätte, das konzeptuelle Interesse, das er mit der musikalischen Rahmung bekundet, auch zu realisieren.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Blinker Filmproduktion

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Gegenwart“ im Kino in Berlin

Gegenwart Deutschland 2012; Regie: Thomas Heise; 65 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 21. März

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