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Im Kino: „Gergedan Mevsimi – Jahreszeit des Nashorns“

Gergedan Mevsimi

Im ersten Jahr der iranischen Revolution, 1979, wird der Lyriker Sahel Farzan wegen des angeblich landesverräterischen Inhalts seiner Schriften von den Ajatollahs zu 30 Jahren Haft verurteilt. Sahels Frau Mina muss wegen „Unterstützung“ für zehn Jahre ins Gefängnis. Nach ihrer Entlassung sagt man ihr, Sahel sei tot; Mina geht mit einem anderen Mann nach Istanbul. Zwanzig Jahre später spürt Sahel sie dort auf. Er sitzt vor ihrem Haus am Meer in seinem Auto, tagelang, als läge er auf der Lauer. Und Mina scheint seine Präsenz zu spüren. Gemeinsam noch einmal neu anfangen, geht das?
Der in der Türkei gedrehte „Gergedan Mevsimi – Jahreszeit des Nashorns“ des iranischen Filmemachers Bahman Ghobadi ist eine scharfe Anklage der Unterdrückung und Zensur von kreativer Freiheit und künstlerischem Ausdruck. Am Beispiel des seiner Liebe beraubten Paares – der um ihr Glück betrogenen Frau, des zum Verstummen gebrachten Dichters – zeigt Ghobadi die zerstörerische Macht des islamistischen Regimes, das sein Heimatland im Griff hat.
Dabei wird wenig geredet, dafür in sprichwörtlich „poetischen Bildern“ umso bedeutungsschwangerer geblickt. Solcherart überfrachtet sich der Film in seinem Verlauf mit allerlei allegorischen, symbolischen, metaphorischen Verweisen, bricht die Erzählung am Ende unter der Last ihrer eigenen Gewichtigkeit zusammen. Es ist ein Sterben in Schönheit, zweifellos, in seiner artistischen Verklausuliertheit aber auch ein wenig selbstgefällig.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Kinostar

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Gergedan Mevsimi – Jahreszeit des Nashorns“ im Kino in Berlin

Gergedan Mevsimi – Jahreszeit des Nashorns, Türkei 2012, Regie: Bahman Ghobadi; Darsteller: Behrouz Vossoughi (Sahel Farzan), Monica Bellucci (Mina); Farbe, 93 Minuten

Kinostart: 18. April 2013

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