Kino & Stream

Im Kino: „The Good, the Bad, the Weird“

Quentin Tarantino hat mit „Kill Bill“ das asiatische Action­kino dem westlichen Kinogänger des 21. Jahrhunderts nahege­bracht, aber der japanische Meis­ter- regisseur war doch derjenige, der dem west-östlichen Kulturaustausch bereits Jahrzehnte zuvor entscheidende Impulse verlieh. 1961 ließ sich Hollywood von Kurosawas „Die sieben Samurai“ zu „Die glorreichen Sieben“ inspirieren, während Kurosawas Konzept vom Profi, der zwei verfeindete Seiten gegeneinander ausspielt („Yojimbo“) später von Sergio Leones „Eine Handvoll Dollar“ aufgegriffen wurde. Der Abschluss von Leones Dollar-Trilogie, „The Good, the Bad and the Ugly“ (der deutsche Titel „Zwei glorreiche Halunken“ lag voll daneben) wie­derum inspirierte jetzt diesen koreanischen Film, vom Titel bis zum finalen Duell, bei dem drei Männer gegeneinander antreten: ein Kopfgeldjäger, ein Bandit und ein kalter Auftragskiller.
Mit „The Good, the Bad, the Weird„, angesiedelt in der Mandschurei der 1930er Jahre, hat der Western somit auch Südkorea erreicht, nachdem bereits Takashi Miike einen „Sukiyaki Western Django“ (mit einem Auftritt von Tarantino) vorlegte und China mit „Mountain Patrol“ auch nicht untätig war. Inszeniert hat ihn Kim Ji-woon, dessen „A Tale of Two Sisters“ gerade als „Der Fluch der zwei Schwestern“ die Ehre eines
Hollywood-Remakes erfuhr.
„Im Leben geht es ums Jagen und Gejagtwerden“ erklärt der Kopfgeldjäger einmal dem Banditen – das könnte auch das Motto dieses Films sein, der nicht auf die endlose Dehnung der Italowes­tern setzt, sondern mehr auf die Nonstop-Action des frühen Serial-Kinos, etwa wenn der Held sich an einem Seil über die Häuserdächer schwingt und dennoch zielsicher mit seinem Gewehr zu treffen vermag, oder wenn am Ende das Militär der japanischen Be­satz­ungsmacht für eine ausgedehnte Schlacht mobilisiert wird. Mit dem gelassenen Kopfgeldjäger, dem verschmitzten Banditen und dem exal­tierten Killer orientiert sich der Film an den Vorgaben des Genres, gesteht dabei aber jedem der drei gewisse Eigenheiten zu und füllt die gelegentlichen Ruhepausen mit Momenten absurden Humors. Jawohl, der Killer mag Jazz und kann sogar dazu tanzen.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Good, the Bad, the Weird“ im Kino in Berlin

The Good, the Bad, the Weird (Joheunnom nabbeunnom isanghannom),
Südkorea 2008; Regie: Kim Ji-woon; Darsteller: Song Kang-ho (The Weird), Lee
Byung-hun (The Bad), Jung Woo-Sung (The Good); Farbe, 130 Minuten

Kinostart: 30. Juli

Mehr über Cookies erfahren