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Im Kino: Günter Wallraffs „Schwarz auf Weiß“

Den alltäglichen Rassismus in Deutschland wollte Günter Wallraff bei seinem jüngsten Coup entlarven. Mit Afroperücke und gefärbtem Gesicht mischt er sich als Kwami Ogonno aus Somalia unter Kneipenbesucher, Wandergruppen, Ausflügler und die Besucher von Volksfesten. Versteckte Kameras an seinem Körper halten hautnah fest, wie er ausgegrenzt wird, allein aufgrund der Hautfarbe (auch wenn einige kleine Provokationen seinerseits die erwartete Wirkung zeigen). Mithilfe weiterer versteckter Kameras dokumentieren die Filmemacher eindrucksvoll, wie mit zweierlei Maßstab gemessen wird, wenn sie selber als Kontrollgruppe fungieren: da betragen etwa geforderte Gebühren für eine Vereinsmitgliedschaft nur noch einen Bruchteil und die Wohnungsvermittlerin sagt, was sie wirklich denkt über Schwarze. Am beklemmendsten sind die Szenen mit Rechtradikalen („Afrika den Affen – Europa für Weiße!“) und rechten Fußballfans. Dass er sich nicht darauf beschränkt, sondern vorrangig den alltäglichen Rassismus bloßstellt, ist dem Film anzurechnen. Dass er die Rassisten unter Älteren und Kleinbürgern sucht und findet, dürfte bei dem Besuchern der Programmkinos, wo der Film läuft, allerdings leicht ein „Wir sind nicht so“ als Reaktion hervorrufen.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß“ im Kino in Berlin

Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß, Deutschland 2009; Regie: Pagonis Pagonakis & Susanne Jäger; Farbe, 86 Minuten

Kinostart: 22. Oktober 2009

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