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Im Kino: „Heli“

Heli

Der Sinn dieser Vorblende erschließt sich erst in der Mitte des Films, aber die Angst ist von Anfang da, belauert die Alltagsszenen und nimmt den Zuschauer mit hinein in den psychischen Ausnahmezustand eines Landes, dessen ziviles Leben mehr und mehr von einem Drogenkrieg zerfressen wird, in dem Kartelle und Polizei um die besten Pfründe kämpfen.
Irgendwo im staubigen Zentralmexiko, wo die Landschaft aussieht wie eine verwitterte Westernkulisse, lebt der jung verheiratete Heli mit Vater, Schwester, Frau und Kind am Rande einer Stadt. Zwei Zimmer, Kühlschrank, Fernseher und die Nachtschichten in der Autofabrik reichen für den Traum vom normalen Leben, dessen größte Sorge um den ehelichen Sex kreist. Dann tauchen zwei Päckchen der verdammten Drogen auf und zerstören alles.
„Was hat der denn gemacht“, fragt einer der Jungs, ein Kind noch, die zur Abwechslung zu den Computerspielen auf dem Flachbild-TV der Folter von zwei jungen Männern zusehen. „Keine Ahnung“, sagt der andere. Nebenan backt die Oma Tortillas, und an der Wand hängt ein Kreuz. Der Film von Amat Escalante, in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet und mexikanischer Oscar-Kandidat, ist kunstvoll in seiner Brachialität, eine schwer zu ertragende Studie über die Möglichkeit von Liebe und Nähe im Angesicht des Verbrechens.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Temperclayfilm

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Heli“ im Kino in Berlin

Heli, Mexiko/Deutschland/Niederlande/Frankreich 2013; Regie: Amat Escalante; Darsteller: Armado Espitia (Heli), Andrea Vergara (Estela), Linda Gonzбlez (Sabrina); 105 Min.

Kinostart: Do, 18. September 2014

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