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Im Kino: „Herbert“

Im Kino:

Wer seine Lebensweise nur auf Muskelkraft gegründet hat, den trifft es besonders hart, wenn der Körper im Alter oder wie hier, durch Krankheit (Amyotrophe Lateralsklerose, führt zur vollständigen Lähmung) verfällt. Der ­bullige Ex-Boxer Herbert verdient seinen Unterhalt als Geldeintreiber und Türsteher in Leipzig. Auf seinem Rücken prangt die ­Tätowierung „Torgau“, der Standort eines bekannten Gefängnisses. Auf den allmählichen motorischen Kontrollverlust reagiert Herbert zunächst mit Trotz, seine Verzweiflung entlädt sich in Aggression, er säuft, reflektiert über sein Leben und strebt nach Aussöhnung mit seiner entfremdeten Tochter. Doch die wehrt seine ungeschickten Annäherungsversuche ab, aus Verbitterung darüber, dass er sich seit ihrer Kindheit nicht mehr um sie gekümmert hat.
Diese chronologisch an Originalschauplätzen gedrehte Charakterstudie vermittelt menschliche Nähe zur tragischen Hauptfigur, eine nicht gerade sympathische Persönlichkeit, für die man dennoch Mitgefühl entwickelt. Der preisgekrönte Schauspieler Peter Kurth verleiht ihr eine ambivalente Aura. Wenn Herbert versonnen vor seinem Aquarium hockt, spürt man unwillkürlich, dass dieser gewalttätige Mann auch zarte Gefühlsregungen hat, die durch seine charakterliche Panzerung allerdings kaum nach außen dringen. Unwillkürlich macht man sich dank dieses vorzüglichen Erstlingsfilms Gedanken über den eigenen Lebensabend.    

Text: Ralph Umard

Foto: Wild Bunch Germany

??Orte und Zeiten: Herbert

Herbert D 2015, 109 Min., R: Thomas Stuber; D: Peter Kurth, Lina Wendel, Lena Lauzemis

Kinostart:
Do, 17. März 2016

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