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Im Kino: „Hüllen“

Hüllen

Die sogenannte Kopftuchdebatte brandet regelmäßig auf, wenn über spektakuläre Streitfälle berichtet wird. Die Gegenpositionen stehen sich dann scheinbar unvermittelbar gegenüber. Emel Zeynelabidin kennt die Kontroverse genau. Oft hat sie selbst in Diskussionsrunden gesessen, auch in Talkshows. Eingeladen wurde die Mutter von fünf Kindern, weil sie nach 30 Jahren den Schleier ablegte. Gleichzeitig zog die Berliner Türkin aus der gemeinsamen Familienwohnung aus. Maria Müller por­trätiert in „Hüllen“ die 49-Jährige und folgt ihrer Auseinandersetzung mit dem Tuch, das sie erst in reifen Jahren zu hinterfragen begann – zeitgleich mit dem Nachdenken über eine entfremdete, einst arrangierte Ehe. Bemerkenswert offen spricht die Protagonistin über ihren Zwiespalt, sich aus Tradiertem zu lösen. Auch Zeynelabidins Mutter sowie ihre Tochter reflektieren den riskanten Schritt mit durchaus skeptischen, klug abwägenden Einschätzungen. Die gesamte Familie ist dabei, zu begreifen – so zeigt Maria Hüllers einfühlsamer Film –, dass sich die Familienmutter mit einer Lebensfrage befasst, mit lange verdrängter Identität.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Hüllen“ im Kino in Berlin

Hüllen, Schweiz 2010; Regie: Maria Müller; 73 Minuten; FSK k.A.; Kinostart: 21. April

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