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Im Kino: „Hundert Nägel“

Hundert Nägel

Eine theologische Bibliothek in Bologna; ein Wachmann, der vor Entsetzen schreit, als er abends den Saal kontrolliert: Hunderte antike Bücher wurden aufs Parkett genagelt. „Hundert Nägel“ beginnt zunächst wie ein düsterer Krimi. Bald aber wechselt Regisseur Ermanno Olmi den Erzählton: Der spektakuläre Akt entpuppt sich rasch als Denkzettel eines jungen Philosophie­professors, der damit die Menschenferne der Bücherwelt anprangern will. Mehr Wahrheit findet der junge Gelehrte (Raz Degan) in einem Dorf an den Ufern des Pos; umgekehrt ach­ten die einfachen Leute den Fremden schnell als Rabbi-ähnliche Figur.
Wie in seinen früheren Filmen betrachtet Olmi Menschen und Orte mit dokumentarischem Auge und setzt dabei auf authentische Schauplätze und Laiendarsteller. Als Parabel über einen heutigen Jesus kann „Hundert Nägel“ dagegen nicht überzeugen. Das Visionäre, gar Revolutionäre von Olmis Christus-Gestalt überträgt sich nicht – schon gar nicht im zerstörerischen Akt in der Bibliothek, in dem eine Absage ans Geistige anklingt. Und davon herrscht in der modernen Welt nicht gerade ein Überfluss.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Hundert Nägel“ im Kino in Berlin

HUNDERT NÄGEL (Centochiodi), Italien 2007; Regie: Ermanno Olmi; Darsteller: Raz Degan (Il professorino), Amina Syed (Studentessa), Michele Zattara (Panettiera); 92 Minuten

Kinostart: 23. September

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