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Im Kino: „Hüter der Erinnerung“

Hüter der Erinnerung

Schöne neue Welt, in der vollkommene Harmonie herrscht, in der es weder Kriege noch Hunger oder Gewalt gibt. Doch ist der Preis nicht zu hoch, wenn dafür das ganze Leben in vorgefertigten Bahnen verläuft? Für die Gleichförmigkeit dieser Gesellschaft findet der Film ein ansprechendes visuelles Mittel, er ist in Schwarz-Weiß gehalten – erst langsam kommt mit dem wachsenden Bewusstsein des Protagonisten mehr und mehr Farbe in den Film. Denn auch Farben markieren Unterschiede, entsprechend verpönt sind sie in dieser Gesellschaft, genauso wie Musik oder alles, was mit Gefühlen zu tun hat.
Als der 16-jährige Jonas auserkoren wird, der neue „Giver“ zu werden, der all das weiß, was die Durchschnittsbürger nicht wissen dürfen, auch das, was in der Vergangenheit passierte, da verändert ihn der Unterricht bei dem jetzigen Giver, einem kauzigen alten Mann, nachhaltig.
„The Giver“ ist die weitere Verfilmung eines erfolgreichen Jugendromans (von Lois Lowry, 1993), in der jugendliche Protagonisten in einer futuristischen Gesellschaft ihren Platz finden müssen, was sie letztlich zur Rebellion führt. Vieles ist vertraut, vom besten Freund, der dem Rebellen schließlich als Feind gegenübersteht und eine Gewissensentscheidung treffen muss, über die arrogant-zynischen Entscheidungsträger bis hin zu den Herausforderungen, denen sich der Protagonist stellen muss.
Heutzutage erfolgt das Plädoyer für Gefühle und auch für die „barbarische“ Seite, die zur menschlichen Existenz dazugehört, allerdings nicht durch so polarisierende Protagonisten wie einst in John Boormans „Zardoz“ oder gar in Kubricks „Uhrwerk Orange“, vielmehr sind die Filme und ihre Protagonisten dem, wogegen sie rebellieren, oft nicht unähnlich. Ein bisschen mehr Wildheit würde nicht schaden.

Text: Frank Arnold

Foto: David Bloomer / 2014 The Weinstein Company

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Hüter der Erinnerung“ im Kino in Berlin

Hüter der Erinnerung (The Giver), USA 2014; Regie: Phillip Noyce; Darsteller: Jeff Bridges (Hüter der Erinnerung), Meryl Streep (Chefin des Ältestenrates), Brenton Thwaites (Jonas); 98 Min.

Kinostart: Do, 02. Oktober 2014

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