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Im Kino: „An ihrer Stelle“

An ihrer Stelle

Mutter und Tochter streifen gemeinsam durch einen Supermarkt in Tel Aviv, auf der Suche nach dem von der Familie vorgeschlagenen Ehemann, den die junge Shira noch nie zuvor gesehen hat. Und sie ist einverstanden mit dem für sie auserkorenen Partner – in den chassidischen Gemeinden von New York bis Jerusalem ist die Heirat kein Zwangsarrangement. Doch dann stirbt die Schwester, deren Ehemann bleibt mit einem Säugling zurück, und es ist Shira, die den hinterlassenen Platz nun einnehmen soll.
Rama Burshtein, selbst Mitglied einer ultraorthodoxen Gemeinde, erzählt in leisen Tönen eine Geschichte aus einer Gesellschaft der Traditionen; von Menschen, die jenseits der Multioptionalität ihrer säkularen Nachbarn leben. Ohne ihre eigene Lebenswelt auch nur im Mindesten zu idealisieren, beschreibt sie den Konflikt einer jungen Frau, die zwischen ihrem persönlichen Wollen und den Determinanten kulturellen Brauchtums vermitteln muss. „An ihrer Stelle“ ist ein eindrückliches und dabei rein deskriptives Zeugnis des jüdischen Chassidismus, intim und doch distanziert, für das Hadas Yaron in Venedig mit der Coppa Volpi als beste Hauptdarstellerin geehrt wurde.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Norma Productions / Vered Adir

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „An ihrer Stelle“ im Kino in Berlin

An ihrer Stelle (Lemale et Ha’Halal), Israel 2012; Regie: Rama Burshtein; Darsteller: Hadas Yaron (Shira Mendelman), Yiftach Klein (Yochay Mendelman), Irit Sheleg (Rivka Mendelman); 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 11. Juli

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