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Im Kino: „Im August in Osage County“

Im August in Osage County

Wer die Wahrheit über Amerika sucht, tut gut daran, die großen Metropolen hinter sich zu lassen. Dramatiker wie Eugene O’Neill und Tennessee Williams wussten seit jeher zu schätzen, dass die Rollen auf dem Land klarer verteilt sind. Auch Tracy Letts reißt dort gern die Fassaden ein und lässt die Familien sich zerfleischen. Sein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnetes Stück spielt in den Great Plains von Oklahoma, die Regisseur John Wells so filmt, dass die Weite zum Gefängnis wird. Umso erstaunlicher, wie altbacken dieser sommerliche Albtraum vom Matriarchat wirkt: Nach dem Selbstmord des Vaters brechen sich verdrängte Konflikte und Traumata in einer heillos zerstrittenen Familie Bahn. Wells inszeniert diese Kaskade der Anklagen und Vorhaltungen als Nummernrevue für extrovertierte Schauspieler. Das Ensemble ist hochkarätig und temperamentvoll, aber nicht alle haben einen leichten Stand neben Meryl Streep als krebskranker Mutter. Die Wahl zwischen Flüchten oder Standhalten fällt da nicht schwer; die Katharsis ist so oder so garantiert. Das alles kommt freilich weniger schwerblütig daher, als zu erwarten wäre: Der Humor hat hier viele Facetten von Schwarz.

Text: Gerhard Midding

Foto: Claire Folger / 2013 The Weinstein Company / TOBIS Film

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Im August in Osage County“ im Kino in Berlin

Im August in Osage County (August: Osage County), ?USA 2013; Regie: John Wells; Darsteller: Meryl Streep (Violet Weston), Julia Roberts (Barbara Weston), Ewan McGregor ?(Bill Fordham); 121 Minuten; FSK 12

Kinostart: 6. März

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