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Im Kino: „Im Herzen der See“

Im Herzen der See

Der historische Seefahrerfilm ist ein Genre, in dem sich das Konfliktpotenzial zwischen den Figuren aus den rigide hierarchisch geordneten Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord eines Schiffes ergibt: Immer hat dort jemand uneingeschränkte Macht über andere Menschen – und es ist für einen schwachen Charakter ein Leichtes, diese zu missbrauchen.
„Im Herzen der See“, Ron Howards Abenteuerfilm über den Ursprung von Herman Melvilles epochalem Roman „Moby Dick“, beginnt demnach ganz klassisch:  Owen Chase (Chris Hemsworth), erster Offizier an Bord des Walfängers Essex, ist ein patenter, erfahrener und von der Mannschaft respektierter Seebär, gehört als Sohn eines Farmers aber nicht zur guten Gesellschaft von New England. Ganz anders Captain Pollard (Benjamin Walker), der aus einer Familie von distinguierten Seefahrern stammt, seinen Posten als Kapitän aber erkauft hat und ein kompletter Neuling im Bereich des Walfangs ist.
Der Konflikt ist also vorhanden und geht recht ansprechend in die erste Runde, währt dann allerdings nur bis zu einem großen Sturm, der ersten von allerlei CGI-Katastrophen, die das Schiff heimsuchen. Anschließend herrscht Burgfrieden, und die Geschichte verläppert sich im Vorhersehbaren: Ein großer Pottwal zerdeppert das Schiff, drei kleine Boote treiben mit den Überlebenden auf dem Ozean, eine Insel erweist sich als verdammt einsam und die Bootsbesatzungen als gefährlich hungrig. Dabei stammen die meisten Wellen klarerweise aus dem Computer, und ein kopfschmerzverursachendes 3D schaut überwiegend aus wie eine psychedelische Postkarte aus den 60er-Jahren. Viele Effekte, wenig Drama.

Text: Lars Penning

Foto: Jonathan Prime / 2015 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC  ALL RIGHTS RESERVED

Orte und Zeiten: „Im Herzen der See“ im Kino in Berlin

Im Herzen der See (In the Heart of the Sea), USA 2015; Regie: Ron Howard; Darsteller: Chris Hemsworth (Owen Chase), Benjamin Walker (George Pollard), Cillian Murphy (Matthew Joy); 121 Minuten

Kinostart: Do, 03. Dezember 2015

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