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Im Kino: „Im nächsten Leben“ mit Edgar Selge

20 Jahre nach dem Mauerfall ist die Weite rund um Berlin für Wolfgang Kerber ein Krisengebiet mit kaputten Familien und einer Jugend ohne Zukunft. Kerber, einst Sportfotograf der DDR, verdingt sich als Polizeireporter bei einem Berliner Boulevardblatt. Doch sein Hang für Hoffnung verbreitende Geschichten stempelt den 56-Jährigen zum Auslaufmodell. Und: 8000 Kilometer jagt er monatlich durch die Region, 50 Kilometer pro gedruckte Zeile. Zu viel, findet der Chef, Kerber soll umdenken. Kann er das? Als mitten im Sommerloch eine 15-Jährige aus Wolfen vermisst wird, wittert er seine Chance.
Marco Mittelstaedt hat Kerbers Figur an den eigenen Vater angelehnt und mit Edgar Selge besetzt. Selge verkriecht sich in diesen zähen, farblosen Spürhund, der sich in seinem Benz verschanzt und auch mal die Wahrheit zurechtbiegt. Auch privat ist Kerber ein harter Knochen, bis ihn seine Tochter mit Fragen aus der Vergangenheit konfrontiert. Mittelstaedt findet kühle Bilder für seine subtile, wortkarge Studie: zerfallene Fabriken, einsame Tankstellen, leere Dörfer und all die Autobahnstrecken dazwischen.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Sandy Rau

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Im nächsten Leben“ im Kino in Berlin

Im nächsten Leben, Deutschland 2008; Regie: Marco Mittelstaedt; Darsteller: Edgar Selge (Kerber), Anja Schneider (Margitta), Ralf Dittrich (Konrad Probst); Farbe, 82 Minuten

Kinostart: 28. Mai

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