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Im Kino: „Im Oktober werden Wunder wahr“

Im Oktober werden Wunder wahr

Wie die Jungfrau kommt Pfandleiher Clemente eines Tages zum Kind. Eine der Prostituierten, die er regelmäßig besucht, hat es ihm in die Wohnung gelegt und ist verschwunden. Das bis dahin wohlgeordnete Leben des eher griesgrämigen Mannes gerät gehörig durch­einander, denn ein schreiendes Baby stört die Geschäfte und hat neuartige und ungewohnte Bedürfnisse.
Also muss eine Frau her, die sich um das Kind kümmert, während der Pfandleiher sich auf die Suche nach dessen flüchtiger Mutter macht. Stoneface Clemente heuert die alleinstehende Nachbarin Sofia an, die, ihrer Einsamkeit ohnehin längst überdrüssig, sogleich umfassendere Pläne schmiedet. Womit wiederum Clemente nicht gerechnet hat: Sofia rückt ihm entschlossen auf die Pelle, Clemente rückt erschrocken ab. Der Familienvater in spe muss erst noch begreifen, wie freudlos und eintönig sein Leben im Grunde ist, bevor er lernen kann, ein umgänglicher Mensch zu werden. Und zu beobachten, wie dieses Erkenntnisdämmern sich in elliptisch montierten, statischen Einstellungen ganz allmählich vollzieht, ist eine Lehrstunde in lakonischem Witz.
Doch „Im Oktober werden Wunder wahr“ von Daniel und Diego Vega handelt nicht nur von der Ungleichzeitigkeit des Begehrens, vom konfliktreichen Aufeinandertreffen unterschiedlicher Erwartungen und von aus der Not geborenen Bindungen. Das von schwarzem Humor durchtränkte Spielfilmdebüt der peruanischen Brüder ist zugleich ein wunderbares Beispiel für ökonomische Regie.
So karg und reich zugleich wie die Handlungsräume mit ihren Graffiti-gezierten Wänden, rissigen Tapeten und brüchigem Mauerwerk, so sparsam ausdrucksvoll wie Clementes Mimik sind auch die von den Filmemachern gewählten narrativen Mittel. Die Leerstelle, die Auslassung, das wiederholt eingesetzte, unkommentiert bleibende Motiv prägen den Duktus des Films, verleihen ihm formale Strenge und emotionale Dichte. Was könnte einfacher und zugleich aussagekräftiger sein als der falsche Geldschein, den Clemente hartnäckig versucht loszuwerden – und der ebenso hartnäckig zu ihm zurückkehrt?

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Im Oktober werden Wunder wahr“ im Kino in Berlin

Im Oktober werden Wunder wahr (Octubre), Peru 2010; Regie: Diego & Daniel Vega; Darsteller: Bruno Odar (Clemente), Garbriela Velasquez (Sofia), Carlos Gassols (Don Fico); 93 Minuten

Kinostart: 14. Oktober

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