Kino & Stream

Im Kino: „Im Schatten“ von Thomas Arslan

Im SchattenArslans Regie entschlackt die Genre-Geschichte um den Profi Trojan von jedweder Psychologie. Im Mittelpunkt des Films steht die Planung und Ausführung eines Geldtransporter-Überfalls. Der ballastfreie Film konzentriert sich vollkommen auf die funktionalen Auswahl- und Kommunikationsprozesse, die handwerklichen Abläufe, die Ökonomie und passgenaue Choreographie der Gesten und Handlungen und die Genre-Konstellation um den Coup und dessen Nutznießer. Dabei kommt um Maticevic ein Ensemble von Darstellern zum Einsatz, dem man die Lust an der befreienden Klarheit der Inszenierung anmerkt. Herausragend ist dabei vor allem Uwe Bohm als cooler korrupter Zivilbeamter, der jedes Mittel einsetzt, um hinterrücks an die Beute des Überfalls zu kommen. Dessen abwartende Beobachtungen aus dem Hinterhalt werden immer wieder für Passagen verdeckter Observation des Geschehens und angespannter Verfolgungen genutzt, die dem Film eine überraschende Dynamik injizieren.
Aber auch durch Rainer Bock als nüchterner Komplize Trojans oder Karoline Eichhorn als Strafverteidigerin, die Gefallen an Trojan und seiner Welt auf der anderen Seite des Gesetzes gefunden hat, entwickelt der Film eine lakonische Selbstverständlichkeit. Eine Genre-Arbeit, die auch Maticevic begeisterte: „Es gibt viel zu wenig solcher ernsthafter Genre-Filme in Deutschland, dabei gäbe es so viele Stoffe und so viele gute Darsteller, mit denen man das erarbei­ten könnte.“
Im SchattenArslans Film erstickt bei dieser Arbeit am und mit dem Genre nicht rückwärtsgewandt oder ironisch in der Referenz-Hölle. Die Folien und Formen von Gangsterfilm, Thriller und Noir (von Lang, Fuller, Huston bis zu Melville und Corneau) bilden die Erzählbasis, auf der sich schnörkellos und atmosphärisch dicht ein Film entwickelt, der überraschend starke Ähnlichkeiten zu den kühl und düster leuchtenden Neo-Neo-Noirs von Michael Mann („Heat“, „Collateral“) besitzt.
Wie Manns letzte Filme wurde auch „Im Schatten“ mit der digitalen RED-Kamera aufgenommen. Bei den Dreharbeiten benutzte Kameramann Reinhold Vorschneider kaum zusätzliche Lichtquellen. So enthalten die diffus reflektierenden Oberflächen der Flure, Hotelzimmer und Passagen zwischen Friedrichstraße, Kottbusser Tor und Moabit bei aller lakonischen Abstraktion auch einen dokumentarischen Charakter – eine anonyme Berliner Parallelwelt des Verbrechens, ohne Glamour und Pathos.

Text: Michael Baute

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Im Schatten“ im Kino in Berlin

Im Schatten, Deutschland 2010; Regie: Thomas Arslan; Darsteller: Miљel Maticevic (Trojan), Karoline Eichhorn (Dora Hillmann), Uwe Bohm (Renй Meyer); 86 Minuten

Kinostart: 7. Oktober

zurück | 1 | 2

Mehr über Cookies erfahren