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Im Kino: "Im Spinnwebhaus"

Im Kino: "Im Spinnwebhaus"

Die Mutter geht nur eben mal schnell Einkaufen, sie kommt dann aber nicht gleich zurück, und auch nach einer Weile nicht, und dann immer noch nicht. Was tun? Der zwölfjährige Jonas und seine beiden kleineren Geschwister wissen genau, was zu tun ist: einfach so weitermachen, als wäre nichts. Die Mutter kann ja auch jeden Moment wieder da sein. Warum also jemanden beunruhigen? Für eine Weile ist das ja auch ganz lustig, so auf sich selbst gestellt zu sein, man kann sich in aller Ruhe vor die Waschmaschine legen, die Füßchen hochlagern, und dabei zusehen, wie sich die Trommel dreht.
Der eigentliche Ernst der Situation wird in Mara Eibl-Eibesfeldts "Das Spinnwebhaus" zwar durchaus spürbar, es geht ihr aber vor allem um eine besondere Normalität, die sich in einem Ausnahmezustand einstellt. Eine verschobene Normalität, die sich schon in der Wahl für Schwarzweiß anstelle von Farbe zeigt, und die es erlaubt, auch eine Figur wie einen Grafen von Gütersloh ganz und gar ernst zu nehmen, obwohl der es an Verantwortungsbewusstsein deutlich mangeln lässt.
Er müsste natürlich längst die Behörden einschalten, doch ihm ist genauso wie der Filmemacherin daran gelegen, einen prekären poetischen Zustand so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. So lange, bis die Dämonen, von denen die Mutter sprach, nicht mehr zu bannen sind, oder sich vielleicht von selbst verziehen. Solange, bis Jonas vielleicht doch einsehen muss, dass er ein Kind ist. Solange, bis Mara Eibl-Eibesfeldt ihren Tagtraum dann doch einem konventionellen Erlösungsende zuführt.

Text: Bert Rebhandl

Foto: MissingFilms

Orte und Zeiten: Im Spinnwebhaus

Im Spinnwebhaus D 2015, 89 Min., R: Mara Eibl-Eibesfeldt, D: Sylvie Testud, Ludwig Trepte, Matthias Koeberlin??

Kinostart: Do, 31. März 2016

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