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Im Kino: „Ins Blaue“

Ins Blaue

Drei junge Frauen auf einer Reise durch Italien. Drei Männer begegnen ihnen währenddessen – ein Mönch, ein Fischer und ein Philosoph. Und die Frauen verlieben sich in sie, eine nach der anderen in einen nach dem anderen. Es ist der erste Film der jungen Regisseurin Nike, „ins Blaue“ inszeniert, ohne festes Drehbuch, mit viel Improvisation und einem Vertrauen auf die magischen Momente, die zwischen den Darstellern in langen, ungeschnittenen Einstellungen entstehen sollen.
Es sei „das Kino des 21. Jahrhunderts“, sagt Nike, und Rudolf Thomes elliptische Aufmerksamkeit richtet sich sowohl auf einzelne Szenen des prekär finanzierten Films, der da gerade im Entstehen ist, als auch auf die professionellen und privaten Verwicklungen, die sich während der Dreharbeiten begeben. Viele davon laufen auf Nikes Vater zu, der als mitreisender Produzent immer mehr ins Zentrum rückt und dem Film eine labile Perspektive gibt.
Vadim Glowna spielt diesen Vater in seiner letzten Filmrolle (er starb im Januar dieses Jahres). Einerseits betrachtet er geduldig und gelassen von außen das Treiben der Film-Crew, andererseits ist er angespannt wegen des drohenden Scheiterns des Projekts. Auch mit seinem unterspielten erotischen Interesse an einer der jungen Schauspielerinnen erscheint dieser Vater wie eine typische Männerfigur aus Rudolf Thomes Filmen. So wie in „Ins Blaue“ Mönch, Fischer und Philosoph nicht recht von dieser Welt zu sein scheinen, so entwickeln die Frauen im Film eine nymphische Bodenständigkeit. Diese spezielle Konfiguration der Geschlechterspannung zwischen träumerisch labilen Männern und zauberhaft realen Frauen reiht sich nahtlos in Thomes Filmografie seit „Rote Sonne“ (1969) ein. Das ästhetische Projekt, das seine Filmfiguren auch hier unternehmen, soll die Geschlechterspannung in einen poetischen Zwischenzustand zwischen Realität und Fiktion versetzen. Leben und Film sollen sich nicht nur gegenseitig reflektieren, sondern auch beeinflussen.
Doch Glownas Präsenz kann die ausfransenden Fäden der Geschichte nur notdürftig zusammen halten. Denn die erhoffte Magie zwischen den Schauspielern stellt sich nur selten ein.

Text: Michael Baute

Foto: Prometheus Film Verleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Ins Blaue“ im Kino in Berlin

Ins Blaue, Deutschland 2011; Regie: Rudolf Thome; Darsteller: Vadim Glowna (Abraham Rabenthal), Alice Dwyer (Nike Rabenthal), Esther Zimmering (Eva); 105 Minuten; FSK 12

Kinostart: 30. August

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