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Im Kino: „The International Criminal Court“

The_International_Criminal_CourtEin Junge wird von kongolesischen Soldaten seiner Familie entrissen, auf einen Pick-up geschleift und misshandelt. Sein Entsetzen, seine Schreie – Szenen wie diese sind in Nachrichtensendungen tabu. Auch in „The International Criminal Court“ dauern sie nur wenige Sekunden und sind Beweismaterial im Fall gegen den Milizenführer Lubanga Dyilo.
Die grausamen Bilder zeugen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, deren Ahndung auch zur Aufgabe des Internationalen Strafgerichtshofs gehört. Wie dieser Apparat funktioniert, wollen die Filmemacher Marcus Vetter und Michele Gentile dokumentieren. Mit Hochglanzbildern, die jedem Justiz-Thriller prächtig stünden, kleben sie jedoch zu sehr an dem argentinischen Chefankläger Luis Moreno Ocampo, bekannt seit den 1990ern als ermittelnder Staatsanwalt gegen die Militärjunta. Keine Frage, der Mann ist charismatisch, doch wozu so viel personenbezogene PR?

Zum Prozess gegen Warlord Lubanga Dyilo ist übrigens auch Benjamin Ferencz gekommen, der bereits 1948 Ankläger bei den Nürnberger Prozessen war. Sein lebenslanger Einsatz für Gerechtigkeit hätte wahrscheinlich mehr Substanz geliefert als die Personality-Show mit Moreno Ocampo, der – so verkündet es der Abspann – seit 2012 die Weltbank vertritt.    

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Bukera Pictures

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „The International Criminal Court“ im Kino in Berlin

The International Criminal Court, Deutschland 2012; Regie: Marcus Vetter, Michele Gentile; 86 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 2. Mai

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