Kino & Stream

Im Kino: „Iraqi Odyssey“

Iraqui Odyssey

In den 1950er Jahren lebten sie noch alle zusammen in einem großen Haus mit Garten in einem der gutbürgerlichen Viertel von Bagdad: die Großeltern, die Eltern, zahlreiche Onkel und Tanten, erste Nichten und Neffen. Heute sind die Mitglieder der Familie Jamal in die ganze Welt verstreut: Abu Dhabi, Auckland, Sydney, Los Angeles, Moskau, Paris, London, ?Upstate New York – und eben Zürich, wo Filmemacher Samir ab Mitte der 1960er aufwuchs und inzwischen seine eigene Familie gegründet hat.
Was war geschehen? Politische Umbrüche im Irak, Revolutionen, Staatsstreiche, Einmärsche – die ganze unübersichtliche Geschichte des Nahen Ostens im 20. Jahrhundert, aufgespannt zwischen Öffnung und Radikalisierung, die Samir in „Iraqi Odyssey“ mit Hilfe der Erinnerungen seiner Verwandten und unterstützt von faszinierendem, historischem Originalmaterial nachvollzieht. Nicht nur verliert er im Durcheinander der Fluchten, versuchten Heimkehren und erneuten Aufbrüche gleich mehrerer vielköpfiger Generationen nie die Übersicht, ihm gelingt darüber hinaus, die gegenwärtige Lage des Irak ebenso historisch nachvollziehbar zu machen wie in einen geopolitischen Kontext zu stellen.
Angesichts der derzeit herrschenden, sogenannten Flüchtlingskrise, die ja nichts anderes ist als die Quittung für eine verfehlte eurozentristische Politik der vergangenen Jahre, ist „Iraqi Odyssey“ geradezu ein Pflichtfilm. Die Geschichte der Familie Jamal steht beispielhaft für die jener Abertausender, die ihre Heimat verlassen, weil dort Freiheit und Perspektiven fehlen. Und sie vermittelt einen Eindruck von der Schmerzlichkeit fragmentierter familiärer Bindungen und der Trauer über das unwiederbringlich verlorene Zuhause.
In ausgewählten Kinos wird „Iraqi Odyssey“ auch in der zweieinhalbstündigen Director’s Cut-Version in 3D gezeigt, die gleichfalls unbedingt zu empfehlen ist.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Samir / Dschoint Ventschr Filmproduktion 2014

Orte und Zeiten: „Iraqi Odyssey“ im Kino in Berlin

Iraqi Odyssey, Schweiz/Deutschland/Irak/Vereinigte Arabische Emirate 2014; Regie: Samir; 96 Minuten

Kinostart: Do, 14. Januar 2016

Mehr über Cookies erfahren