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Im Kino: „Joy – Alles außer gewöhnlich“

Joy - Alles außer gewöhnlich

Der Neuanfang ist eine Konstante in den Filmen von David O. Russell, ebenso wie der fromme Selbstbetrug, das eigentlich doch alles ganz einfach sei. Auch das Quasi-Biopic „Joy – Alles außer gewöhnlich“ fügt sich trefflich in die Reihe Russellscher Tragikomödien mit realem Hintergrund ein: Hier verkörpert Jennifer Lawrence die Titelrolle einer geschiedenen Mutter und späteren Unternehmerin, die nicht nur für ihre beiden Kinder sorgt, sondern in einer Serie von amüsant-grotesken Szenen das Zusammenleben einer dysfunktionalen Familie mehrerer Generationen managt. Komplett mit geschiedenem Mann und dem ebenfalls geschiedenen Vater im Keller, während die Mutter seit Jahrzehnten auf der Couch sitzt und dieselbe Seifenoper guckt.
Dass es mit dem Aufopfern für Egomanen und Neurotiker so nicht weitergehen kann, ist einem als Zuschauer längst klar, nur Joy nicht, die erst noch ihre seit der Kindheit verschüttete Kreativität wiederfinden muss. Dass die sich dann ausgerechnet in der Erfindung eines revolutionären Wischmops äußert, mag man als Witz wahrnehmen – doch es ist ein ernst zu nehmender. Denn immerhin beruht die Geschichte im Kern auf der Lebensgeschichte einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen der USA: Joy Mangano. Als Biopic ist der Film allerdings mehr als ungewöhnlich, zeigt er – bis auf das Ende – doch vor allem eine kaum enden wollende Serie von tragikomischen Pleiten in der für Joy neuen Geschäftswelt, die sie auch hinter die Kulissen des hirnrissigen Teleshoppings führen.
Der ständige Wechsel zwischen trocken-hintersinniger Komödie und Drama wird in Russells stets als Ensemblestücke mit Stammbesetzung (u.a. Jennifer Lawrence und Bradley Cooper) angelegten Filmen oft als holprig wahrgenommen. Doch es ist gerade dieser ganz eigene Tonfall, eine immer spürbare kluge Psychologie und die Verankerung in einer wie auch immer absurden Realität, die den Spaß an seinen Geschichten ausmachen. Natürlich auch an dieser.

Text: Lars Penning

Foto: 2015 Twentieth Century Fox

Orte und Zeiten: „Joy – Alles außer gewöhnlich“ im Kino in Berlin

Joy – Alles außer gewöhnlich (Joy), USA 2015; Regie: David O. Russell; Darsteller: Jennifer Lawrence (Joy), Robert De Niro (Rudy), Йdgar Ramнrez (Tony Miranne); 107 Minuten

Kinostart: Do, 31. Dezember 2015

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