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Im Kino: Julia Jentsch in „Tannöd“


Der in der Realität nie geklärte Kriminalfall eines sechsfachen Mordes auf einem bayerischen Einödhof ist über die Jahre immer wieder künstlerisch verarbeitet worden (zuletzt in „Hinter Kaifeck“). Die Autorin Andrea Maria Schenkel rollte die von ihr fiktionalisierte Geschichte in ihrem Bestsellerroman „Tannöd“ auf, in dem sie die verschiedenen Aussagen von Dorfbewohnern neben- und gegeneinander stellt.
In der nun vorliegenden gleichnamigen Verfilmung, die sich weniger an den kriminalistischen Aspekten denn an der Psychologie des Wegsehens interessiert zeigt, haben die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli und ihre Drehbuchautorin Petra Lüschow gleich beide Hauptfiguren hinzuerfunden, um die Aussagewilligkeit der Dörfler im Film zu motivieren: Die junge Kathrin (Julia Jentsch) kommt zwei Jahre nach den Morden in ihr Heimatdorf zurück, um ihre Mutter zu beerdigen, und trifft dabei auch auf die theatralisch durch den Film irrlichternde Bäuerin Traudl (Monica Bleibtreu), die sich in ständig neuen Beschuldigungen gegen na­hezu jeden ergeht. Doch die plötzliche Redseligkeit der Dörfler in Gegenwart der passiven Kathrin erscheint auch weiterhin rätselhaft. Was bleibt, ist der zumindest interessante Versuch der Regisseurin, in stilisierten Bildern eine Ästhetik jenseits öder Fernsehformate zu suchen.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Zwiespältig

„Tannöd“ Deutschland/Schweiz 2009; Regie: Bettina Oberli; Darsteller: Julia Jentsch (Kathrin), Monica Bleibtreu (Traudl Krieger), Volker Bruch (Johann Hauer); Farbe, 104 Minuten;

Kinostart: 19. November

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