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Im Kino: „Kafkas Der Bau“

Im Kino:

Ein dachsähnliches Tier gräbt sich, umgetrieben vom „Risiko des Lebens“, einen aufwendigen und komplizierten Bau, der „so gesichert ist, wie eben überhaupt auf der Welt etwas gesichert werden kann“. ­Kafkas 1923 verfasste, Fragment gebliebene Erzählung kann damals wie heute klar als Zeitdiagnose gelesen werden, als Bild für selbstzerstörerische Abschottug. Der Dachs wird in der Inszenierung von Jochen ­Alexander Freydank zu einem erfolgreichen Geschäftsmann mit dem naheliegenden Vornamen Franz und breiten Schulterpolstern, der mit Geld und architektonischer List sein Heim vor einer gewalttätigen Welt zu schützen versucht, die er mit seinen kapitalistischen Umtrieben wohl selbst mit geschaffen hat. Der Film arbeitet mit starken, wahrhaft kafkaesken Bildern der Paranoia und Klaustrophobie – und eröffnet dadurch eine Konkurrenz zu Kafkas Sprache, die er nur verlieren kann. Axel Prahls intensives Spiel betont noch die Aussichtslosigkeit des Unterfangens, eine derart bildmächtige Prosa sinnvoll in eine (im weitesten Sinne) realistische filmische Erzählung übertragen zu wollen. 

Text: Stella Donata Haag

Foto: Neue Visionen Filmverleih

Orte und Zeiten: „Kafkas Der Bau“ im Kino in Berlin

Kafkas Der Bau D 2014; R: Jochen Alexander Freydank; D: Axel Prahl (Franz), Kristina Klebe (Frau von Franz), Josef Hader (Hausmeister); 114 Min.

Kinostart: Do, 09. Juli 2015

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