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Im Kino: „Kathedralen der Kultur“

Sechs Dokumentationen von jeweils knapp 25 Minuten reiht der Omnibusfilm „Kathedralen der Kultur“ aneinander, der vor seiner Ausstrahlung beim koproduzierenden Sender ARTE nun ins Kino kommt. Es geht um filmische Porträts interessanter Bauwerke, die der Kultur dienen, was für die überwiegende Anzahl der sechs FilmemacherInnen ganz klar Hochkultur bedeutet: Wim Wenders widmet sich Hans Scharouns berühmter Berliner Philharmonie, der kürzlich verstorbene Michael Glawogger kurvt mit der Kamera im engen Labyrinth der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg herum, Margreth Olin lässt Ballerinen und Pantomimen (Höchststrafe!) im Opernhaus von Oslo auftreten, während Karim Aпnouz immerhin ein weitgehend informatives Porträt des Centre Pompidou in Paris gelingt. Die Vorgabe, „das Gebäude erzählen zu lassen“, haben die Hochkulturadepten jedoch leider allzu wörtlich genommen – das Voice-over-Gerede der Gebäude wirkt überwiegend albern und prätentiös.
Weiter gefasst haben ihren Auftrag allein Robert Redford, der das Salk-Institut porträtiert, eine von dem bedeutenden Architekten Louis Kahn errichtete Forschungseinrichtung im kalifornischen La Jolla, sowie der Däne Michael Madsen mit einem Film über das Halden-Gefängnis in Norwegen. Die kleine gedankliche Freiheit macht sich denn auch sofort bezahlt, denn ihre Filme sind mit Abstand die interessantesten. Der ungewöhnlichste Film gelingt Madsen mit einer alltagsphilosophischen Betrachtung über das Innen und Außen am Beispiel eines modernen Gefängnisses, das als Gebäude versucht, mit möglichst wenigen Barrieren genau diesen Gegensatz aufzuheben – und dabei die Straftäter doch sicher verwahren muss.
Redford hingegen verschränkt informativ die O-Töne des Architekten Kahn über die Intentionen bei der Planung des Salk-Instituts mit Zeitrafferaufnahmen, welche die Funktionsweise des Gebäudes erläutern, und den Aussagen von Menschen, die sich heute noch privilegiert fühlen, dort zu arbeiten. Zudem gelingt es Redford und seinem Kameramann Ed Lachmann, das Gebäude auch in seiner Ästhetik optimal in Szene zu setzen – allein hier erschließt sich der Sinn der bei allen Filmen verwendeten 3D-Technik, die ansonsten überflüssig erscheint.

Text: Lars Penning

Foto: 2013 Шystein Mamen 

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Kathedralen der Kultur“ im Kino in Berlin

Kathedralen der Kultur, Deutschland/Dänemark 2014; Regie: Wim Wenders, Michael Glawogger, Michael Madsen, Robert Redford, Margreth Olin, Karim Aпnouz; 156 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 29. Mai

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