Kino & Stream

Im Kino: „Kein Ort“ von Kerstin Nickig

„Salam Aleikum, Europa“, schreibt der tschetschenische Journalist Ali sarkastisch in sein Tagebuch. Der Mann, ein klarsichtiger Poet und einst ein Helfer von Anna Politkowskaja, wurde vom Putin/Kadyrow-Regime seines Landes gefoltert. Jetzt wartet er mit seiner Familie in einem polnischen Flüchtlingslager auf das Asylverfahren, doch die Chancen sind gering. Kerstin Nickigs Dokumentarfilm „Kein Ort“ gibt vier Verfolgten und ihren Angehörigen aus dem einstigen Bürgerkriegsland Tschetschenien Stimme und Raum. Der Film schildert behutsam und eindringlich, wie unsicher sie leben und wie fatal sich die Verwaltungsmechanik des Schengener Abkommens auswirkt. In Kiew besucht Nickig einen illegalen Tagelöhner, der im Spießrutenlauf zwischen Menschenrechts- organisationen und Schleppern versucht, die Außengrenze der EU zu überwinden. In Wien versuchen die Eltern einer kranken Tochter, sich gegen die Abschiebung nach Polen zur Wehr zu setzen. Durchlässig wird die neue Mauer nur für einen in Wien verheirateten Ex-Offizier der tschetschenischen Unabhängigkeitskämpfer. Mit Geld und Rechten ausgestattet, gelingt ihm am Ende, seinen Sohn zu sich zu holen.

Text: Claudia Lenssen

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Kein Ort“ im Kino in Berlin

Kein Ort, Deutschland/Polen 2008; Regie: Kerstin Nickig, Farbe, 89 Minuten

Kinostart: 15. April

Mehr über Cookies erfahren