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Im Kino: „Kick-Ass“

„With great power comes great responsability“, heißt es in Sam Raimis „Spider Man“. Wie hätte diese Comicadaption wohl ausgesehen, wenn Raimi nicht so viel Respekt vor der Vorlage gehabt hätte? Vielleicht so wie „Kick-Ass“, der vergnüglich bedenkliche Anti-Superheldenfilm von Matthew Vaughn. Zu Beginn heißt es hier: „With no power comes no responsability“.
Der auf dem gleichnamigen Comic von Mark Millar and John Romita Jr. (Sohn des legendären Spider-Man Zeichners aus den 70ern) basierende Film beginnt ganz harmlos als lakonische Teenager-Komödie. Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein durchschnittlicher Schüler, Comic-Geek und hat genau zwei (männliche) Schulfreunde. Um der Ereignislosigkeit seines Lebens zu entkommen, beschließt er, einen Reality-Check zu starten, als Superheld „Kick-Ass“, allerdings ohne besondere Superkräfte. Schon bei seiner ersten Konfrontation landet er im Krankenhaus. Seiner Popularität bei YouTube und myspace tut das keinen Abbruch. Bald gesellen sich weitere, selbsternannte Superhelden zu ihm, wie der maskierte Ex-Cop „Big Daddy“ (Nicolas Cage), der mit seiner gnadenlosen Tocher „Hit Girl“ (die erst elfjährige Chloe Moretz) den Kampf gegen das organisierte Verbrechen in New York aufgenommen hat.
„Kick-Ass“ sieht aus wie ein Bastard aus Pixars „Die Unglaublichen“ und der Erwachsenen-Comicadaption „Watchmen“. Mühelos mutiert der Film von der drolligen Teenie-Komödie zum sinnlos gewalttätigen Action-Knaller, was auch die Frage nach der Zielgruppe des Films stellt. Sollen das mit Spider-Man und Batman sozialisierte, gewaltbereite Elfjährige sein?
Als eingefleischter, erwachsener Comicfan findet man einen anderen Zugang zu diesen zu Karikaturen zugespitzten Möchtegernhelden: „Kick-Ass“ illustriert das vergebliche Streben nach Anerkennung, all die unterdrückten Teenager-Ängste, Gewaltfantasien und feuchten Träume der Jugend in einer Eruption aus brutalen Kampfeinlagen und blutigen Schießorgien.
Einen nicht unerheblichen Anteil an der Wirkung des Films hat dabei der Soundtrack: Auf der Tonspur trifft Techno-Krach von „Prodigy“ auf den ultraschnellen Old-School-Punk der „Dickies“ und Ennio Morricone. Ein richtig schöner Jungsfilm.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Kick-Ass“ im Kino in Berlin

Kick-Ass, USA 2010; Regie: Matthew Vaughn; Darsteller: Aaron Johnson  (Dave Lizewski/Kick-Ass), Chloe Moretz (Mindy Macready/Hit Girl), Nicolas Cage (Damon Macready); Farbe, 117 Minuten

Kinostart: 22. April

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