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Im Kino: „Kuma“

Kuma

In seinem Langfilmdebüt erzählt der türkischstämmige Österreicher Umut Dag von einer in Wien lebenden türkischen Familie, in der alles noch ganz traditionell auf den Vater ausgerichtet ist. Aus einem anatolischen Dorf holt die krebskranke Fatma, sechsfache Mutter, die junge Ayse in ihr Heim. Ayse soll die Funktion der Kuma, der Zweitfrau, übernehmen und sich nach Fatmas Tod um Mann und Kinder kümmern. So ist es jedenfalls der schlaue Plan der Matriarchin, der freilich nicht aufgeht, weil alles ganz anders kommt. Nicht nur empfinden die Kinder das Täuschungsmanöver als eine oppressive Zumutung, sondern auch Ayse, vom Drehbuch hart an der Grenze zum Engel angelegt, wagt schließlich, von etwas mehr als einem Leben an Herd und Spülstein zu träumen.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Frauen der Familie; und wenngleich so manche Handlungswendung arg konstruiert und „Kuma“ insgesamt thematisch etwas überfrachtet anmutet, man blickt – aus ungewohnter Perspektive, doch mit großem Gewinn – in eine jener gemeinhin eher unzugänglichen, familiären Keimzellen, in denen sich die Probleme der mitteleuropäischen Migrationsgesellschaften leidvoll konkretisieren – und auch nur unter Schmerzen lösen lassen.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Salzgeber

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Kuma“ im Kino in Berlin

Kuma, Österreich 2011; Regie: Umut Dag; Darsteller: Nihal G. Koldas (Fatma), Begüm Akkaya (Ayse), Vedat Erincin (Mustafa); 93 Minuten; FSK 12

Kinostart: 8. August

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