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Im Kino: „La Pivellina“

lapivellinaBereits mit der beobachtenden Dokumentation „Babooska“ (2005) waren Tizza Covi und Rainer Frimmel tief in die Welt eines familiär betriebenen kleinen italienischen Wanderzirkus’ eingetaucht und hatten dessen mannigfaltige Probleme während einer Sommersaison in der Provinz beleuchtet. Für ihren Spielfilm „La Pivellina“ sind die Filmemacher nun nicht allein dem Milieu treu geblieben, sondern haben tatsächlich Mitglieder derselben Familie als Darsteller gewonnen: Patrizia Gerardi und Walter Saabel sind die Eltern der zwanzigjährigen Dokumentar-Titelheldin Babooska und spielen sich in „La Pivellina“ als Patti und Walter mehr oder weniger selbst.

Um das Leben während der Wintersaison auf einem Platz am Rande Roms hat Tizza Covi eine knappe Geschichte erfunden: wie Patti auf einem Spielplatz ein von seiner Mutter ausgesetztes zweijähriges Mädchen findet und es erst einmal mit zu sich nach Hause nimmt. Walter fürchtet, angesichts der Vorurteile gegen fahrende Artisten in Schwierigkeiten zu geraten, doch bald schon hat sich die kleine Asia dank liebevoller Betreuung bei den Zirkusleuten eingelebt.

Der Ausgang dieser Geschichte ist bewusst offen gehalten, und überhaupt dient das kleine Drama lediglich als Anstoß, um uns ein interessantes Stück Wirklichkeit jenseits der bürgerlichen Norm nahezubringen. Dabei greifen die Filmemacher die Themen von „Babooska“ erneut auf: die prekären Lebensverhältnisse der Artisten, die Schwierigkeit, ihren Kindern ein wenig Bildung zu vermitteln, aber auch die ganz selbstverständliche Verantwortung, die diese Menschen füreinander übernehmen – selbst wenn sie nicht miteinander verwandt sind. Die direkte filmische Herangehensweise des Zwei-Personen-Teams Frimmel (Kamera) und Covi (Ton) an die Fiktion unterscheidet sich denn auch nicht wesentlich von der ihrer vorherigen Dokumentation: Der Film nimmt sich viel Zeit für die undramatischen Handlungen und Gesten, die den Alltag dieser Leute ausmachen und entwirft auf diese Weise ein durchaus herzerwärmendes Bild eines wohl langsam im Verschwinden begriffenen Lebenskonzepts. „La Pivellina“ zeigt einmal mehr, dass das Kino seine Helden eben auch an der nächsten Straßenecke finden kann, und zwar nicht die schlechtesten.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten:„La Pivellina“ im Kino in Berlin

La Pivellina Österreich/Italien 2009; Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel; Darsteller: Patrizia Gerardi (Patti), Walter Saabel (Walter), Tairo Caroli (Tairo); 105 Minuten;

Kinostart: 27. Mai

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