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Im Kino: „Manuscripts Don\t Burn“

Manuscripts Don't Burn

Ein Film über den Krieg eines Regimes gegen die Literatur: Mohammad Rasoulof erzählt in „Manuscripts Don’t Burn“ in einer verschachtelten Weise von der Suche nach einem unveröffentlichten Buch. Im Zentrum dieses als gefährlich betrachteten Textes steht die Szene eines Busunglücks, bei welchem auf einen Schlag mehr als 20 Autoren ums Leben hätten kommen sollen – ein Betriebsausflug in den vom Geheimdienst geplanten Tod. Ob der Text tatsächlich so gefährlich ist, das ist bemerkenswerterweise eher auf der Seite der Autoren umstritten – einer von ihnen merkt sarkastisch an, dass die neue Jugend im Iran eher Steve Jobs verehre als Che Guevara.
Rasoulof, der mehrfach mit Jafar Panahi zusammengearbeitet hat, sodass der Start von „Manuscripts Don’t Burn“ den von „Taxi Teheran“ perfekt ergänzt, musste unter den Bedingungen drehen, die bei einem Dissidentenfilm herrschen: heimlich und mit prekärer Finanzierung. Er konzentriert sich auf drei Männerpaare, im Zentrum stehen dabei der Autor des Texts und sein Gegner von der Zensur. Die beiden haben vor vielen Jahren einmal eine Zelle geteilt, ein Indiz dafür, wie sich die Konstellationen mit jedem Machtwechsel ändern. Am anderen Ende der sozialen Hierarchien zeigt Rasoulof zwei Handlanger, von denen einer verzweifelt Geld für die Behandlung seines kleinen Sohnes aufzutreiben versucht. Dazwischen noch zwei weitere Vertreter des intellektuellen Betriebs, sodass sich auch die Figuren bis zu einem gewissen Grad verdoppeln – so wie Manuskripte durch Kopie gerettet werden.
„Manuscripts Don’t Burn“ ist ein reflektierender Thriller über die engen Grenzen der Freiheit im Iran, und jederzeit ist klar, dass mit den Autoren auch die Filmemacher gemeint sind. Mohammad Rasoulof erzählt von der Repression, wie Jafar Panahi auch, aus erster Hand.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Peripher Filmverleih

Orte und Zeiten: „Manuscripts Don’t Burn“ im Kino in Berlin

Manuscripts Don’t Burn (Dast-neveshtehaa nemisoosand), Iran 2013; Regie: Mohammad Rasoulof; Darsteller: werden nicht namentlich genannt, um die Sicherheit der Mitwirkenden nicht zu gefährden; 134 Minuten

Kinostart: Do, 13. August 2015

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