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Im Kino: „Marvel\s The Avengers“

Marvel's The Avengers

Loki, nordischer Halbgott mit Komplexen und mächtigen düsteren Freunden, möchte gerne die Welt regieren. Besonders gut kommt diese Botschaft bei den Menschen nicht an, selbst ein Stuttgarter Wutbürger (!) stellt sich Loki in den Weg – und natürlich die Avengers. Neben Lokis Adoptivbruder mit dem großen Hammer, Thor, sind das Iron Man, der erst kürzlich nach sechs Jahrzehnten aufgetaute „Supersoldat“ Captain America, die Spionin und Profikillerin Black Widow, Bogenschütze Hawkeye und Wissenschaftler Bruce Banner, der sich im nicht immer idealen Moment in den großen, grünen, unkaputtbaren Hulk verwandelt. Man ahnt, was passiert, wenn Loki mit einem blau leuchtenden Energiewürfel ein Portal über New York City öffnet, um seine finsteren Verbündeten zu Hilfe zu holen. Gute Nachrichten für die amerikanische Bauwirtschaft.
„Marvel’s The Avengers“ sollte Sahnehäubchen und vorläufiger Höhepunkt einer vierjährigen Kampagne werden: Angefangen mit „Iron Man“ (2008) haben insgesamt fünf Filme das Projekt mit Anspielungen, Gastauftritten und Abspann-Szenen vorbereitet. Doch das gut zweieinhalbstündige 3D-Spektakel zeigt deutlich die Begrenzungen der kommerziellen und kreativen Kalkulationen. Regisseur Joss Whedon müht sich, den Erwartungen seiner Auftraggeber und der Fans zu entsprechen, er überlädt den Film mit disparaten Einzelszenen, in denen der Tonfall jeweils wechselt. Wieder wird Robert Downeys eigentlich ausgereizter Iron Man zur Zugnummer, auch Superhelden-Manager Nick Fury (Samuel L. Jackson) bekommt mehr Aufmerksamkeit als nötig. Das geht zu Ungunsten interessanterer Figuren: Immer wieder blitzt Witz und Charme auf, besonders Tom Hiddlestons schwitziger Bösewicht, Mark Ruffalo als brillanter, aber getriebener Melancholiker und Scarlett Johanssons in enges Leder verpackte Kriegerin haben gute Momente. Doch schöne Ideen und clevere Dialoge haben gegen die Leistungsschau der Digital-Effekt-Branche keine Chance. Statt eines flott gemachten Unterhaltungsfilms auch für Neueinsteiger bleibt „Marvel’s The Avengers“ eine laute, unübersichtliche Fanveranstaltung, die entschieden weniger Spaß macht als möglich und nötig.

Text: Thomas Klein

Foto: Zade Rosenthal / 2011 MVLFFLLC_TM & 2011 Marvel

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Marvel’s The Avengers“ im Kino in Berlin

Marvel’s The Avengers (The Avengers), USA 2012; Regie: Joss Whedon; Darsteller: Robert Downey Jr. (Iron Man), Chris Evans (Captain America), Mark Ruffalo (Hulk); FSK k.A.

Kinostart: 26. April

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