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Im Kino: "Mein Ein, mein Alles"

Im Kino: "Mein Ein, mein Alles"

Dass sich Gegensätze anziehen – geschenkt. Wie es aber nach dem Aufprall weitergeht, davon erzählt Regisseurin Maпwenn in ihrem vierten Spielfilm "Mein Ein, mein Alles". Ausgebremst durch einen Kreuzbandriss findet die Rechtsanwältin Tony endlich die Gelegenheit, ihre zehnjährige Amour fou zu Georgio ehr­licher zu betrachten. Der Restaurantbesitzer ist ein Getriebener mit ungebremster Gier nach Leben. Als Mutter seiner Kinder wünscht sich Georgio allerdings eine intelligente, verlässliche Partnerin, die kann dann auch mal etwas farbloser sein – wie Tony. Ach, wie ist sie fasziniert von der Leichtigkeit ihrer ersten Begegnung, den erotischen Kicks und der so hübsch improvisierten Heirat!
Maпwenn inszeniert den fiebrigen Taumel mit angeschnittenen Szenen, in deren Schatten bereits Enttäuschung und Depressionen ­nisten. Denn Tony schätzt insgeheim ein ruhiges Leben mit kleinen emotionalen Peaks, während Georgio das große Drama braucht, und das am besten täglich. Folglich reiben sie sich aneinander auf. Und Nebenfrauen grätschen dazwischen, Streitereien eskalieren.
Es wäre zu einfach, die Geschichte nur nach Schwarz-weiß-Mustern zu durchkämmen, denn sie nutzt Stereotype als verständliche Nenner von Durchlebtem. Maпwenn zeigt das Phänomen Liebe als Konstrukt von Abhängigkeiten und Projektionen und führt ihre Hauptdarsteller schonungslos durch ihre selbst­inszenierte Hölle.
In Rückblenden geschieht die Aufarbeitung, die Handkamera ist stets nah dran an den Gesich­tern und intensiven Momenten. Um danach immer zu Tony zurückzukehren, die nach dem Durchleben der kathartischen ­Momente wieder laufen lernt – ihrer eigenen Zukunft entgegen. Maпwenn gelingt die intelligente Abrechnung, ohne ihre Charaktere zu richten. In deren Rolle sind Vincent Cassel und Emmanuelle Bercot geschlüpft, die für ihre Tony letztes Jahr in Cannes den Darstellerpreis bekam.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Studiocanal

Orte und Zeiten: Mein Ein, mein Alles

Mon roi (OT) F 2015, 124 Min., R: Maпwenn, D: Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel

?Kinostart: Do, 24. März 2016

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