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Im Kino: „“Mein Vater, mein Onkel“

Irgendwann steht Sinan, der sympathische Berliner Szene-Drifter mit Schauspielambitionen, in einer dieser glitzernden Malls in Dubai, ausstaffiert als orientalischer Prinz, und lacht hilflos in die Kamera wie ein kleiner Junge, der die Lust am Rollenspiel verloren hat. „War schön, is’ aber gut jetzt“, sagt sein Blick; und auch: „Was tue ich hier eigentlich?“
Es ist dieser prekäre Punkt, an dem die Selbstfindung zur Selbstentfremdung wird, der Christoph Hellers Dokumentarfilm „Mein Vater. Mein Onkel.“ seinen eigentlichen Gegenstand liefert. Heller folgt in betont kunstlosem, intimen Gestus dem jungen Schauspieler Sinan al Kuri, der inzwischen bei „Soko Leipzig“ Fernsehkarriere macht, bei seiner Kontaktaufnahme mit der lange verdrängten Vergangenheit.
Aufgewachsen im Hessischen als adoptiertes Einzelkind bei seiner deutschen Mutter, die eigentlich seine Tante ist, soll er nun seine Rolle in einem erweiterten irakischen Familienclan einnehmen, der inzwischen ein arabisch-modernes Mittelstandsleben im Exil führt. Hellers Film erzählt  von der Erfahrung des Vermisstwerdens, aber auch von den neuen, konkreten Erwartungen, die mit Geduld und Nachdruck artikuliert werden.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Mein Vater. Mein Onkel.“ im Kino in Berlin

Mein Vater. Mein Onkel. Deutschland 2009; Regie: Christoph Heller

Kinostart: 13. Mai

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