Kino & Stream

Im Kino: „Meine Schwestern“

Meine Schwestern

Katharina, die Älteste, musste früh erwachsen werden und stark und vernünftig sein. Jetzt hat sie alles immer unter Kontrolle. Clara, die Jüngste, wurde geschont und aus allem herausgehalten. Aus ihr ist eine sensible Künstlernatur geworden. Linda, die mittlere der drei Schwestern, tja, um die hat sich immer alles gedreht. Weil sie mit einem schweren Herzfehler geboren wurde und die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Hm, denkt man zu Beginn von Lars Kraumes „Meine Schwestern“, drei Hauptfiguren wie aus dem Klischee-Bilderbuch. Doch es kommt noch besser: Linda, inzwischen gegen alle ärztliche Erwartung dreißig Jahre alt, spürt ihren endlich doch nahenden Tod. Gemeinsam mit den Schwestern unternimmt sie eine Reise an den Urlaubsort ihrer Kindheit und dann spontan weiter nach Paris. Sie will Abschied nehmen, von den Schwestern, vom Leben. Kann das gut gehen? Bleibt es fern von Kitsch und Rührseligkeit?
Es bleibt. Was Kraume aus der schlichten, ja, fast schematischen Ausgangssituation seines Films macht, ist zum einen strikt unsentimental. Und zum anderen voll tiefen Gefühls und schöner Bedeutung. Das verdankt sich sowohl den sehenswerten schauspielerischen Leistungen von Jördis Triebel, Nina Kunzendorf und Lisa Hagmeister als auch Kraumes zurückhaltender Inszenierung. Mit jeder der drei Frauen hat Kraume in früheren Projekten bereits einmal zusammengearbeitet – man kennt sich also und schätzt sich; und es entstand im Verlauf des Arbeitsprozesses eine spürbare Vertrautheit, die ihren Widerhall nun auf der Leinwand findet. Ausgehend von einer groben Handlungsskizze entwickelten Filmemacher und Darstellerinnen das Drehbuch gemeinsam, die Charaktere wurden in Improvisationen entworfen und in Diskussionen vertieft, gedreht wurde schließlich chronologisch. Der emotionalen Entwicklung, die die drei Schwestern im Verlauf der Reise einzeln und miteinander durchlaufen, verleiht dies große Glaubwürdigkeit. Wie im Übrigen auch der Umstand, dass erfreulich oft zugunsten beredten Schweigens auf Dialog verzichtet wird. Im Angesicht des Todes versiegt das Geschwätz, auch von dieser Wahrheit erzählt „Meine Schwestern“.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Alamode Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Meine Schwestern“ im Kino in Berlin

Meine Schwestern, ?Deutschland 2013; Regie: Lars Kraume; Darsteller: Nina Kunzendorf (Katharina), Jördis Triebel (Linda), Lisa Hagmeister (Clara); 90 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 6. Februar

Mehr über Cookies erfahren