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Im Kino: „Men on the Bridge“

Men on the BridgeSammeltaxifahrer Umut sucht auf Drängen seiner Frau eine größere Wohnung. Der einsame Polizist Murat aus dem Hinterland sucht weibliche Gesellschaft. Fikret, ein armer 17-Jähriger, sucht Arbeit und Geld. Ihre Wege führen die drei jungen Männer immer wieder über die Bosporus-Brücke, die den asiatischen mit dem europäischen Teil Istanbuls verbindet: Der eine kutschiert Kundschaft, der andere regelt den Verkehr, der dritte verkauft Rosen. Doch keiner der drei kommt wirklich voran; sie enttäuschen Frauen, Arbeitgeber und sich selbst. Ihr Leben ist hart und voller Rückschläge und Misserfolge. Und das Glück bleibt flüchtig.
„Men on the Bridge“ ist das Kinodebüt der in Istanbul geborenen und seit zehn Jahren in Berlin lebenden Regisseurin ­Asli Özge und wurde im vergangenen Jahr auf dem Istanbuler Filmfest als Bester Film ausgezeichnet. Das Besondere an „Men on the Bridge“ ist seine Form, ist die Weise, in der Özge das Dokumentarische mit dem Inszenierten verwebt. Inspiriert von den Geschichten realer türkischer Metropolenbewohner schrieb sie ein Drehbuch und bot ihren Inspirationsquellen sodann an, ihre Rollen jeweils selbst zu übernehmen. So entsteht eine faszinierende Mischung aus Authentizität und Künstlichkeit, gefühlsmäßiger Unmittelbarkeit und situationsbedingter Distanz, die immer wieder auch irri­tierende Verfremdungs- und Unschärfe­effekte zur Folge hat. Dann nämlich, wenn die deutlich laienhaft agierenden und dabei doch unübersehbar stark emotional involvierten Protagonisten in Szenen stecken, die sich in dieser Zuspitzung kaum vor einer zufällig anwesenden Dokumentarfilmkamera abgespielt haben können.
Als dokumentarisch-fiktionale Mischform, die von Existenzen zwischen Umbruch und Stagnation erzählt, wird „Men on the Bridge“ vom Dazwischen formal wie inhaltlich bestimmt. Dass der Film mit der Brücke das transitorische Bauwerk schlechthin bereits im Titel trägt, verweist zudem auf sein Potenzial als gesellschaftliche und politische Metapher: Zwischen EU-Vollmitgliedschaft und privilegierter Partnerschaft geht es für die Türkei und ihre Bürger nicht vor und nicht zurück. Vergleichbar mit dem Dauerstau auf der Bosporus-Brücke.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Men on the Bridge“ im Kino in Berlin

Men on the Bridge (Köprüdekiler), Deutschland/Türkei/Niederlande 2009; Regie: Asli Özge; Darsteller: Fikret Portakal (Fikret), Murat Tokgöz (Murat), Umut Ilker (Umut); 90 Minuten

Kinostart: 22. Juli

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