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Im Kino: „Messies, ein schönes Chaos“

Messies, ein schönes Chaos

Messies sind Menschen, die sich nicht entscheiden. Sie können sich nicht zwischen den Dingen entscheiden (das eine heben sie auf, das andere aber auch), und sie können sich auch nicht entscheiden zwischen den Menschen, die ihnen wichtig sind, und den Dingen, die ihnen häufig wichtiger sind. So wächst ihre Welt allmählich zu, dabei ist das, was den Außenstehenden als Gerümpel erscheint, für die Messies voller Bedeutung.
Der Schweizer Dokumentarist Ulrich Grossenbacher hat für seinen Film „Messies, ein schönes Chaos“ vier Vertreter dieser besonderen Lebenshaltung porträtiert. Nebenbei entsteht so auch ein sympathisches Porträt der Schweiz, dieses auf Ausgleich bedachten Gemeinwesens, in dem ein Bauer jahrelang die Landschaft zumüllen darf, und doch nur in einen sehr höflichen Konflikt mit der Gemeinde gerät. An manchen Stellen rührt der Film an genuine Tragik, vor allem dort, wo das Sammeln eigentlich an die Künste rührt, wie im Falle eines älteren Mannes, der auch als Bühnenbilder arbeitet, und deswegen sein Chaos als Fundus versteht. An manchen Stellen rührt Ulrich Grossenbacher an prinzipielle Implikationen, der Film wird nachgerade philosophisch, doch darauf lässt der Regisseur sich dann doch nicht wirklich ein, und so bleibt „Messies, ein schönes Chaos“ eine interessante Reportage, in der eine tiefergehende Betrachtung fast ein wenig verloren geht.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Fair & Ugly Filmproduktion GmbH

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Messies, ein schönes Chaos“ im Kino in Berlin

Messies, ein schönes Chaos, Schweiz 2011; Regie: Ulrich Grossenbacher; 117 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 6. September 2012

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