Kino & Stream

Im Kino: „Meteora“ mit Theo Alexander

Hoch droben auf den Plateaus gewaltiger Sandsteinmonolithen im Herzen Griechenlands liegen die Klosteranlagen von Meteora. Getrennt voneinander durch tiefe Schluchten, verbunden im Eindruck des Schwebens, der entsteht, wenn unter ihnen, zwischen den Formationen, die Wolken hängen. Hier leben die Nonne Urania und der Mönch Theodoros in einander gegenüberliegenden Klöstern. Hinauf zu dem Männerkloster führen steile, in den Fels gehauene Stufen; in das der Frauen gelangt nur, wer sich in ein Netz setzt und mit einer Seilwinde hinaufziehen lässt. Bei einem ihrer Ausflüge hinunter ins Dorf, möglicherweise bei einem gemeinsamen Gottesdienst mit den Einwohnern, sind Urania und Theodoros einander begegnet, sich ins Auge gestochen, fortan nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Was tun? Was tun, wenn das körperliche Begehren sich bemerkbar macht in jemandem, der sich zur Gänze einem spirituellen Dasein verschrieben hat? Steht dann das Seelenheil der geistlichen Person auf dem Spiel? Ist Liebe Verrat an Gott? Kann sie das sein, da er sie doch geschaffen hat? Das sind einige der Fragen, die Spiros Stathoulopoulos in seinem Film „Meteora“ zur Entfaltung bringt.
Dabei wird der Raum – die so gewaltige und erhabene Landschaft – zur Allegorie des Konflikts: oben die spirituelle Gemeinschaft mit ihren moralischen Ansprüchen, unten die weltliche Existenz, das Individuum mit seinem körperlichen Verlangen. „Meteora“ gestaltet den Schwebezustand der menschlichen Seele zwischen zwei Polen und spitzt ihn im gegebenen religiösen Kontext zu. Durchbrochen und kommentiert wird die aufs Nötigste reduzierte, semidokumentarisch karg anmutende Handlung von zauberhaften Animationssequenzen, die sich des Bildfundus der byzantinischen Ikonenmalerei bedienen. In diesen Animationen wird der vermeintliche Gegensatz zwischen Liebe und Glauben schließlich aufgehoben. Und zwar in einer Apotheose, die Gott und Geschöpf versöhnt. Auf diese Weise lacht der Film der drohenden Verzweiflung angesichts der sinnlichen Versuchung, die doch Teil der Menschennatur ist, ins Gesicht und findet den Weg in die Freiheit und ins Licht. So werden Urania und Theodoros schließlich wieder zu Eva und Adam.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Meteora“ im Kino in Berlin

Meteora, Griechenland/Deutschland 2012; Regie: Spiros Stathoulopoulos; Darsteller: Theo Alexander (Mönch Theodoros), Tamila Koulieva (Nonne Urania), Giorgios Karakantas (Flötenspieler); 80 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 12. Juni

Mehr über Cookies erfahren