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Im Kino: „Monsieur Claude und seine Töchter“

Monsieur Claude und seine Töchter

Alles beginnt mit einer Serie von Mesalliancen: Ein gediegen bürgerliches Ehepaar wohnt den Hochzeiten von dreien seiner Töchter bei, zunehmend einsam und befremdet auf seiner Seite des Standesamtes, gegenüber immer exotischer aussehenden Schwiegerfamilien. Monsieur Claude (Christian Clavier) ist kein Rassist, nein, Gott behüte, aber die vielen Franzosen mit Migrationshintergrund, die er plötzlich in seiner Familie hat, befremden ihn doch.  
Eine Tochter bleibt ihm noch, die jüngste, hübscheste, blondeste. Nachdem die ersten drei der Reihe nach einen Araber, einen Juden und einen Chinesen geheiratet haben – wen wird sie sich nach der simpelsten Logik der Komödie zum Gatten erküren? Ja, richtig, den Schwarzafrikaner. Das bringt, genau in dem Moment, wo sich Monsieur ?Claude und Gattin leidlich an ihre anderen Schwiegersöhne gewöhnt haben, die Familie arg ins Schleudern und verschärft den von Beginn an tobenden, komödiantischen Kampf der Kultur-Klischees ungemein.
Abgesehen davon, dass die Beschäftigung mit der französischen Bourgeoisie sich immer wunderbar dazu eignet, schöne französische Landschaften mit herrschaftlichen Häusern liebevoll zu filmen: Ist es wirklich hilfreich, die Multikulti-Frage aus der Perspektive einer reichen, konservativen Oberschicht zu betrachten? Von diesem Film ausgehend muss die Antwort lauten: eher nicht. Ist er wenigstens amüsant? Leider auch nur in sehr begrenztem Maß. Dass der Film in Frankreich ein absoluter Publikumshit ist und bis dato mehr als neun Millionen Zuschauer ins Kino gelockt hat, bedürfte ehrlich gesagt einer tieferen sozio-psychologischen Analyse Frankreichs, die wir hier nicht zu leisten vermögen.

Text: Catherine Newmark

Foto: Neue Visionen Filmverleih / A BORREL

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Monsieur Claude und seine Töchter“ im Kino in Berlin

Monsieur Claude und seine Töchter (Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?), Frankreich 2014; Regie: Philippe de Chauveron; Darsteller: Christian Clavier (Claude Verneuil), Chantal Lauby (Marie Verneuil), Ary Abittan (David Maurice Isaac Benichou); 97 Minuten

Kinostart: Do 24.7.2014

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