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Im Kino: „Morgen das Leben“

Morgen das Leben

Ihr Leben hatten sie sich einmal anders vorgestellt. Nun sind Ulrike, Judith und Jochen über 40 und merken, wie sich über die Jahre Möglichkeiten und Träume davonstahlen. Im satten München zählen ihre Biografien nichts: Judith arbeitete unter miesen Bedingungen 16 Jahre lang in der Jugendarbeit, Heimarbeiterin Ulrike ist eine alleinerziehende Ex-Stewardess und Jochen ein wohnungsloser Gelegenheitsjobber. Nun wollen sie sich verändern, sind zu radikalen Einschnitten bereit und loten in „Morgen das Leben“ ihre Möglichkeiten aus.
Regisseur Alexander Riedel beobachtet die drei dabei, zeigt behutsam und lakonisch, wieviel Kraft Lebenskorrekturen bedeuten und wie schwer Stillstand wiegt. Spannend ist nicht nur die Thematik des Films, sondern auch wie Riedel seine Erfahrungen als Dokumentarfilmer in seinem ersten Spielfilm umsetzt: Mit bemerkenswertem Gespür für authentische Situationen und die minimalen Veränderungen im Alltag seiner herausragenden Protagonisten verwischt er die Grenzen der Genres und skizziert mit sympathischer Genauigkeit die Zustände am Rande unserer Gesellschaft.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Morgen das Leben“ im Kino in Berlin

Morgen das Leben, Deutschland 2010; Regie: Alexander Riedel; Darsteller: Judith Al Bakri (Judith), Ulrike Arnold (Ulrike), Jochen Strodthoff (Jochen); 91 Minuten; FSK 0

Kinostart: 2. Juni

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