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Im Kino: „Morgentau“

Morgentau

Der äthiopische Arzt Dr. Anberber hat eine Gedächtnislücke. Er hat ein Bein verloren, aber er weiß nicht mehr, unter welchen Umständen. Es ist das Jahr 1990, gerade erst ist er in sein Heimatdorf zurückgekehrt. Zur Untätigkeit verurteilt, erforscht Anberber sein Gedächtnis. In Haile Gerimas „Morgentau“ wird er auf diese Weise zu einem privilegierten Zeugen der nationalen Geschichte, denn Anberber war immer wieder im entscheidenden Moment an der richtigen Stelle – die sich im Nachhinein dann wieder als die falsche erwies. So erleben wir die politischen Wendepunkte Äthiopiens aus verschiedenen Blickwinkeln: Als der Kaiser Haile Selassie den Thron räumen muss, ist Anberber gerade als Student in Deutschland, bald darauf kehrt er zurück, nur um zu sehen, wie das sozialistische Regime sich in eine grausame Willkürherrschaft verwandelt. Haile Gerima, legendäre Figur des afrikanischen (und amerikanischen) Kinos, hat mit diesem bildermächtigen Epos einen Meilenstein des postkolonialen Kinos geschaffen.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Morgentau“ im Kino in Berlin

Morgentau (Teza), Deutschland/Äthiopien 2008; Regie: Haile Gerima; Darsteller: Aaron Arafe (Anberber), Abeye Tedla (Tesfaye), Takelech Beyene (Tadfe); 140 Minuten

Kinostart: 5. Mai

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