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Im Kino: „My Name is Khan“

khanSie sollen den indischen Moslem, Schauspieler und größten Filmstar der Welt im vergangenen Jahr angehalten und stundenlang verhört haben. In Indien sorgte die Nachricht für Aufregung und Empörung, auch wenn nicht deutlich war, ob Khan tatsächlich Opfer religiöser Diskriminierung geworden war – oder man die Geschichte für einen PR-Stunt aufgebauscht hatte. Der Vorfall passte jedenfalls bestens zur Islamphobie-Thematik von „My Name is Khan“, der den Akteur unter der Regie des Bollywood-Blockbuster-Spezialisten Karan Johar wieder mit der hinreißenden Kajol vereint. „Mein Name ist Khan und ich bin kein Terrorist“, lautet die Botschaft, die Khan als autistischer Moslem und Make-up-Verteter Rizvan Khan auf seiner Mission quer durch die Post-9/11-USA dem Präsidenten persönlich übermitteln will.

Er sieht darin nach einer tragischen Wendung die einzige Chance, seine große Liebe Mandira (Kajol) zurückzugewinnen. „Es gibt nur gute Menschen, die Gutes tun und böse Menschen, die Böses tun“: Das ist nicht nur Khans Maxime, sondern auch die Haltung, die sich Johars Film zu eigen macht. Der moralischen Eindeutigkeit steht ein Überfluss an Storylines und Genreverquickungen gegenüber, mit denen die gesellschaftsliberale Botschaft illustriert wird. Johar, der mit „Kabhi Khushi Kabhi Gham“ (Sometimes Happy, Sometimes Sad) den deutschen Bollywood-Boom auslöste, verlässt hier den konventionellen Rahmen der indischen Traumfabrik. Song-and-Dance gibt es nicht, ebenso wenig alberne Komik. „My Name is Khan“ ist politisch unterfüttertes Brückenschlagskino mit Lovestory und Melodrama, in dem der sonstige Kolossalheuler Khan bei seiner leicht überambitionierten Autistendarstellung nur ein einziges Tränchen vergießen darf. Schade nur, dass in Deutschland lediglich die synchronisierte und um etwa 40 Minuten gestutzte Version mit leicht reduziertem Pathos (und ohne die wunderbar absurde Hurricane-Rettungsaktion des Originals) zu sehen sein wird. Ungedrosselt ist „My Name is Khan“ noch ausschweifender, gefühlsintensiver und hemmungsloser.

Text: Sascha Rettig
tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: My Name is Khan“ im Kino in Berlin

My Name is Khan Indien 2010; Regie: Karan Johar; Darsteller: Shah Rukh Khan (Rizwan Khan), Kajol (Mandira Khan), Katie A. Keane (Sarah Garrick); 126 Minuten

Kinostart: 10. Juni

NEUSTARTS IN BERLIN

ZUM INTERVIEW MIT „MY NAME IS KAHN“-REGISSEUR KARAN JOHAR

 

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