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Im Kino: „My Week With Marilyn“

My Week With Marilyn

Fast 50 Jahre nach ihrem nie vollständig geklärten Tod ist Marilyn Monroe noch immer der weltweit bekannteste weibliche Filmstar. Nahezu jeder hat eine Vorstellung von ihrem Image als naivste Blondine der Filmgeschichte, und obwohl man denken müsste, dass bereits alles über sie gesagt und geschrieben worden ist, erscheinen jedes Jahr Berge neuer Bücher und Fotobände über sie und mit ihr: Marilyn verkauft sich immer. Der Film „My Week With Marilyn“ beruht auf zwei Erinnerungsbänden eines Bekannten des Stars: Der Engländer Colin Clark war 1956 als dritter Assistent bei den Dreharbeiten zur Komödie „Der Prinz und die Tänzerin“ in London beschäftigt, erlebte dabei hautnah die massiven Spannungen zwischen Regisseur Laurence Olivier und der Monroe mit und wurde schließlich für kurze Zeit zum Vertrauten der nach einem Verbündeten suchenden Schauspielerin – kleine Liebelei inklusive.
Der ausgesprochen unterhaltsame Film übernimmt den Blick des naiven jungen Engländers, der als Assistent einfach überall dabei ist, alles mit­ansieht und mithört und sich am Ende auf die Seite der scheinbar schwächsten Partei schlägt. Dem Zuschauer eröffnet sich dabei nicht unbedingt eine völlig neue Perspektive auf die von Michelle Williams brillant verkörperte Monroe, sondern eher der Blick auf das komplexe und leicht schizophrene Wesen, das sie wohl tatsächlich war: charmant und reizend im Privaten, jedoch von großen Unsicherheiten geplagt in ihrem Beruf – was nicht nur ihre Probleme mit Tabletten und Alkohol begründet, sondern auch ihren unschuldig manipulativen Umgang mit anderen Menschen. Dass sie ständig Zuspruch benötigt, wird zum großen Konfliktpunkt am Filmset: Marilyns Assistentin Paula Strasberg, die sie in ihren Ambitionen als schwer seriöse Method-Schauspielerin unterstützt, wird so zu einer Art Ko-Regisseurin, was Olivier, der das Method Acting hasst, ebenso zur Verzweiflung treibt wie Monroes andauernde Verspätungen. Der Film bezieht aus diesen Reibungen eine beständige Komik, nimmt jedoch seine Figuren absolut ernst, die sich zusehends in immer komplexeren Konstellationen wiederfinden, in denen Eifersucht nicht eben die geringste Rolle spielt. Doch das Spiel bleibt stets charmant, und dass niemand den Schwarzen Peter zugeschoben bekommt, macht das Vergnügen an diesem Film aus.

Text: Lars Penning

Foto: Ascot Elite Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „My Week With Marilyn“ im Kino in Berlin

My Week With Marilyn, Großbritannien 2011; Regie: Simon Curtis; Darsteller: Michelle Williams (Marilyn Monroe), Eddie Redmayne (Colin Clark), Kenneth Branagh (Sir Laurence Olivier); 99 Minuten; FSK 6

Kinostart: 19. April

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