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Im Kino: „Nachtschichten“

Nachtschichten

„Da ist bei einem Zug eine Besprühung durchgeführt worden“, tönt es in schönstem Amtsdeutsch aus dem Funkgerät, und schon macht sich der Pilot des Überwachungshubschraubers auf den Weg, die Übeltäter von der Luft aus in den Bann seines Weißlicht-Scheinwerfers zu schlagen. Dabei entgeht ihm der junge Mann, der mit Bier, Farbeimer und Teleskop-Malerroller bewaffnet unter großen Mühen die klare Ansage „Hit the button and escape“ auf eine Brandmauer appliziert. Mitten in Berlin. 

Es ist Winter, es liegen Berge von Schnee, vor allem aber ist es Nacht – und in der Nacht ist die Welt eine andere, fühlt das Leben sich anders an. Ivette Löcker begleitet in „Nachtschichten“ außerdem einen Obdachlosen auf seiner Suche nach einem geschützten Schlafplatz. Sie ist dabei, als eine Wachschutzfrau auf „ihrem“ Industriegelände eine hungrige Hausgans findet und den nicht minder hungrigen Fuchs gleich mit dazu. Sie hört den Nachtgedanken einer aus Tokio stammenden DJane zu und einem Mann, der in der Nacht die Gefährtin seiner Einsamkeit gefunden hat. In leuchtender Dunkelheit spiegelt „Nachtschichten“ den Charakter Berlins wider: Schönheit und Härte, unbeeindruckt von der immerwährenden Geschäftigkeit ihrer Bewohner.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Mischief Films

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Nachtschichten“ im Kino in Berlin

Nachtschichten, Österreich 2010; Regie: Ivette Löcker; 97 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 15. März

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