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Im Kino: „Nathalie küsst“

Nathalie küsst

Der Kuss, den die junge Witwe Nathalie (Audrey Tautou) eines Tages ihrem Mitarbeiter Markus (François Damiens) unversehens auf die Lippen drückt, ist ein famoses Missverständnis. Er ist ihr, die sich ganz in die Arbeit geflüchtet hat, schlicht unterlaufen; nicht aus Sehnsucht, sondern Gedankenverlorenheit. Rückgängig kann sie ihn nicht mehr machen, zumal das arglose Kussobjekt ganz verzückt ist. Das Problem ist nur, dass Markus von empörender Unscheinbarkeit ist. Seine schütter-strubbligen Haare und hängenden Schultern dementieren jeden Anflug von Romantik. Nathalie wird sich genrebedingt auf diese putzige Mesalliance einlassen, denn hinter seinem prosaischen Äußeren verbirgt sich ein poetisches und humorvolles Gemüt. Regieneuling David Foenkinos (der seinen eigenen Bestseller verfilmt) besäße gern das kokette Raffinement, die kluge Sinnlichkeit, die Bertrand Blier oder Michel Deville früher einer solchen Konstellation entlockt hätten. Leider stapeln beide, die Liebe und ihr Regisseur, ein wenig hoch.

Text: Gerhard Midding

Foto: Concorde Filmverleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Nathalie küsst“ im Kino in Berlin

Nathalie küsst (La dйlicatesse), Frankreich 2011; Regie: David und Stйphane Foenkinos; Darsteller: Audrey Tautou (Nathalie), François Damiens (Markus), Bruno Todeschini (Charles); 108 Minuten; FSK 0

Kinostart: 12. April

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