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Im Kino: „Neugierde“

Neugierde

Der Berliner Filmemacher Carl Andersen verknüpft mit unermüdlicher Produktivität Cinйma-vйritй-Elemente mit Bausteinen aus dem weiten Underground-Kino-Universum. Sein No-Budget-Kino ist immer auch persönliche Recherche von Intimität, oft extrem roh in der Form und nicht immer mit ausreichender konzeptueller Kraft – wie sein aktuelles Double-Feature „Neugierde“, in dem er zwei sexuelle Experimente mit Anfängern und Fortgeschrittenen beobachtet. Der Schauspieler Erwin Leder liefert im ersten Teil zu einer von ihm dominierten, ganzheitlich verstandenen SM-Szene das Bild- und Textmaterial und räsoniert zwischendurch in Interviewsequenzen ebenso überkontrolliert darüber. Einer seiner devoten Mitspielerinnen begegnet man im zweiten Akt in einer zweiten, amateurischeren Libertinage wieder, die Dank der beiden anderen Akteure bis zum Ende unbeholfen tastend bleibt. Das Vermögen der beiden österreichischen Twens, die sich hier entblößen, zu kommunizieren, warum sie sich zu einem Dreier vor Andersens Kamera verabredet haben, ist so klein wie der Spaß, den sie dabei offenkundig haben. Ein Film mehr in Andersens Werk, der wirkt wie die Skizze zum eigentlichen, großen Werk, das da noch kommen wird.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Neugierde“ im Kino in Berlin

Neugierde, Deutschland 2011; Regie: Carl Andersen; Darsteller: Mona C. Brinkmann, Erwin Leder, Adina Nadir; 82 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 13. Oktober

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