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Im Kino: „Noah“ von Darren Aronofsky

Für den amerikanischen Filmemacher Darren Aronofsky ist die Bibel kein offensichtlicher Stoff, er gilt nach „Requiem For A Dream“ (2000), „The Wrestler“ (2008) und „Black Swan“ (2010) eigentlich als Experte für kantige, psychologische Dramen. Auf den ersten Blick ist „Noah“, Aronofskys etwa 250 Millionen Dollar teure, Multiplex-optimierte Film-Version der Sintflut, das direkte Gegenteil. Russell Crowe spielt hier die Titelrolle, es gibt gefallene Engel, die sich als steinerne Monster wie Transformers durchs Bild schleppen, Schlachtszenen mit einem von Ray Winstone angeführten sündigen und dem Ertrinken geweihten Mob und Emma Watson als zweifelndes Teenager-Mädchen, das zwischen Noahs zwei Söhnen steht. In der Vorlage, dem biblischen Buch Genesis, findet sich davon nichts. Diese Trailer-gerechten Elemente waren wohl Konzessionen des Regisseurs gegenüber der Produktionsgesellschaft Paramount.

Dafür hatte Aronofsky für seine lose, eigensinnige Bibel-Interpretation dann freie Hand. Nur eine Texttafel wurde „Noah“ von Paramount-Seite vorangestellt: Um christliche Zuschauer und Organisationen in den USA zu besänftigen, wird da erklärt, der Film nehme sich zwar künstlerische Freiheiten, bleibe aber „der Essenz, Werten und der Integrität“ einer Geschichte treu, „die ein Eckpfeiler des Glaubens für Millionen von Menschen in der ganzen Welt“ sei.

Aronofsky kürzt und verändert die Geschichte, erfindet dazu und setzt neue Schwerpunkte. Bildgewaltig zeigt er die Ödnis der alten Welt, in der Noah und seine Familie als vegan lebende Umweltschützer Gottes Schöpfung bewahren wollen, besonders vor dem Zugriff der gierigen Menschen mit ihrer zerstörerischen Zivilisation. Die ihm in Visionen angekündigte Sintflut macht Noah rücksichtslos, die Rettung der unschuldigen Tiere mit seiner Arche und der spätere Tod auch seiner Familie ist ihm eine heilige Sache. Wie sich der sanfte Öko in einen Rächer Gottes verwandelt, ist der reizvollste Aspekt des Films. Ansonsten bleibt Aronofsky seltsam vage und „Noah“ eine Projektionsfläche, in die Gläubige wie Atheisten vieles hineinlesen können: Der Film zeigt einige Wunder, stellt andererseits aber die Rechtmäßigkeit der Sintflut in Frage. An inhaltlichen oder visuellen Reizen mangelt es „Noah“ nicht, aber an einer klaren Haltung.

Text: Thomas Klein

Foto: Niko Tavernise / 2013 Paramount Pictures Corporation and Regency Entertainment (USA) Inc.

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Noah“ im Kino in Berlin

Noah, ?USA 2014; Regie: Darren Aronofsky; Darsteller: Russell Crowe (Noah), Jennifer Connelly (Naameh), Ray Winstone (Tubal Cain); 138 Minuten; FSK k.A.; Kinostart: 3. April 

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