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Im Kino: „Oktober November“ mit Nora von Waldstätten

Starke Väter sind immer auch Richter. Sie müssen gar nichts groß sagen, und doch fällen sie ständig Schiedssprüche über das Leben derer, die ihnen nahestehen. In Götz Spielmanns „Oktober November“ spielt Peter Simonischek sehr überzeugend so einen Patriarchen. Seine beiden Töchter haben sich höchst unterschiedlich zu ihm verhalten. Verena ist in seiner Nähe geblieben, sie führt mit ihrem Mann das Hotelrestaurant in der österreichischen Provinz, einen typischen Familienbetrieb. Sonja ist weit weg gegangen, sie lebt als Schauspielerin in Berlin, geht ganz in ihrer Arbeit auf und misst sich nach Möglichkeit an anderen Kriterien als am Wohlwollen ihres Vaters. Doch auch sie muss sich ihm noch einmal stellen, nun, da er nach einem Herzanfall schon unübersehbar geschwächt ist und mit seinem Sterben jederzeit gerechnet werden muss. Für diese schlechte Prognose ist er auch selbst verantwortlich, denn er tut so, als wäre nichts, trinkt weiter seinen Kaffee. Mit einem Wort: ein schwieriger Charakter.
Der österreichische Regisseur Götz Spielmann hatte 2008 mit „Revanche“ einen großen Erfolg. Darin war auch schon Ursula Strauss zu sehen, die nun in „Oktober November“ die Verena spielt: eine komplexe Figur, in der sich die melodramatischen Register des großen Kinos hinter volkstümlicher Bodenständigkeit deutlich erkennen lassen. Ihr gegenüber steht mit Nora von Waldstätten eine ganz andere Erscheinung. Sie stattet ihre Figur Sonja mit einer kristallinen Verletzlichkeit aus, die leicht als Arroganz missverstanden werden kann. Die subtile Dramatik zwischen den beiden Schwestern macht den stärksten Aspekt von „Oktober November“ aus. Götz Spielmann entwickelt aus Kleinigkeiten einen enormen Suspense und lässt dabei erkennen, wie sehr das väterliche Urteil sich in den Kindern fortschreibt. Dass dies nicht mit Schicksal zu verwechseln ist, macht „Oktober November“ umso deutlicher: ein Film über die Freiräume, die in den Nuancen liegen.

Text: Bert Rebhandl

Foto: MFA + FilmDistribution e.K.

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Oktober November“ im Kino in Berlin

Oktober November, Österreich 2013; Regie: Götz Spielmann; Darsteller: Ursula Strauss (Verena), Nora von Waldstätten (Sonja), Peter Simonischek (Vater); 114 Minuten; FSK 12

Kinostart: 12. Juni

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