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Im Kino: „Orania“

Orania

In Südafrika ist Orania berüchtigt: ein kleines Nest weißer Südafrikaner mit niederländischen Wurzeln – Afrikaans –, die seit 20 Jahren mitten im Wüstenland ihr Ideal eines Nationalstaats im kleinsten Maßstab umsetzen. Schwarzafrikaner haben dort keinen Zutritt. Der Dokumentarfilmer Tobias Lindner betrachtet die skurrile Enklave aus der Nähe: Zu Wort kommen etwa Alteingesessene wie der Betreiber des Schwimmbads, der seinen schwarzen Lieferanten zwar als Freund bezeichnet, gleichzeitig aber betont, nicht in Nachbarschaft mit ihm leben zu wollen. Dabei gehen Orania allmählich die Bürger aus. Das Bizarre dieser Lebenswelt fängt der Film in langen Einstellungen ein, etwa von einem Fest in Buren-Trachten oder den Propaganda-Slogans am Straßenrand. Politische Überzeugungen sprechen die Porträtierten nie offen aus, etwa wenn es um die Frage geht, ob „Volksfremden“ der Zugang in ihren Überlandbus erlaubt sei. Dem Film und seiner generell lobenswerten Unvoreingenommenheit hätte es nicht geschadet, naheliegende kontroverse Themen gelegentlich auch klarer anzusprechen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Kinostar

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Orania“ im Kino in Berlin

Orania, Deutschland 2012; Regie: Tobias Lindner; 98 Minuten; FSK 0

Kinostart: 13. Juni

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